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04/12/2016

Nach NDR-Satire über Erdogan: Türkei stellt deutschen Botschafter zur Rede

EU-Innenpolitik

Nach NDR-Satire über Erdogan: Türkei stellt deutschen Botschafter zur Rede

Der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan

Foto: Legnan Koula/dpa

Eine zweiminütige TV-Satire sorgt für Spannungen zwischen Ankara und Berlin. Das türkische Außenministerium bestellte einem Bericht zufolge den deutschen Botschafter ein – der sich wegen eines Liedes über Erdogan rechtfertigen musste.

Der Diplomat Martin Erdmann musste sich nach Informationen von „Spiegel Online“ vom Montag bereits am vergangenen Dienstag in einem längeren Gespräch rechtfertigen. Dabei sei es um eine knapp zweiminütige Satire aus einer NDR-Sendung über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegangen, berichtete „Spiegel Online“ weiter.

Das Gespräch drehte sich dem Bericht zufolge um eine rund zweiminütige Satire aus der Sendung „extra 3“, die am 17. März in der ARD ausgestrahlt worden war. Titel: „Erdowie, Erdowo, Erdogan“. In der Sendung wurden unter anderem die Angriffe Ankaras auf die Pressefreiheit ironisch thematisiert mit „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“ Über Erdogan hieß es darin: „Er lebt auf großem Fuß, der Protz vom Bosporus“. „Die Zeit ist reif für sein großosmanisches Reich.“ Das Video findet sich bei Youtube.

Das Auswärtige Amt wollte sich dazu nicht äußern. Die Redaktion von „extra 3“ hingegen bezog umgehend Stellung und erklärte Erdogan am Montagabend via Twitter zum „Mitarbeiter des Monats“.

Am Wochenende hatte Erdogan Diplomaten scharf kritisiert, weil sie einen Prozess gegen zwei prominente Journalisten besucht haben. Das entspreche nicht dem diplomatischen Protokoll, sagte Erdogan bei einem Treffen von Geschäftsleuten in Istanbul. Das Verfahren gegen die beiden Journalisten wegen Spionage hat im Ausland für viel Aufmerksamkeit und Kritik gesorgt.