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18/01/2017

Nach Länderspiel-Absage: Angst vor Anschlägen in Deutschland

EU-Innenpolitik

Nach Länderspiel-Absage: Angst vor Anschlägen in Deutschland

Eine Fernsehreporterin berichtet nach der Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland-Niederlande in Hannover.

Foto: dpa

Nach den Anschlägen von Paris hat die Angst vor ähnlichen Angriffen auch Deutschland fest im Griff. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält eine Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren als Konsequenz aus den Anschlägen in Paris für nachdenkenswert.

„Wenn wir eine Situation hätten wie Paris, möglicherweise mit Anschlägen an drei bis vier Orten, wird man darüber nachdenken müssen, ob unsere polizeilichen Fähigkeiten ausreichen“, sagte Schäuble auf einer Veranstaltung in Düsseldorf, wie die „Rheinische Post“ (Mittwochausgabe) berichtet.

Die Behörden sagten am Dienstagabend wegen eines Hinweises auf einen geplanten Sprengstoffanschlag das am Dienstagabend angesetzte Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Niederlande kurzfristig ab.

Das Stadion in Hannover wurde evakuiert. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sagte anschließend, Sprengstoff sei zunächst nicht entdeckt worden. Es habe auch keine Festnahmen gegeben. Wenig später sorgte ein verdächtiger Gegenstand erneut für Aufregung in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Die Polizei sprengte diesen nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen im Hauptbahnhof. Sprengstoff wurde auch hier nicht gefunden. Sperrungen am Bahnhof wurden wieder aufgehoben.

Das Freundschaftsspiel sollte ein Zeichen der Solidarität mit Frankreich setzen. Daher hatten sich die Verantwortlichen trotz der Furcht vor möglichen weiteren Anschlägen zunächst gegen eine Absage entschieden. Bei der Partie Deutschland gegen Frankreich am Freitagabend hatte eine beispiellose Anschlagsserie Paris erschüttert, mindestens 129 Menschen wurden getötet. Sprengsätze detonierten auch unmittelbar vor dem Stade de France. Zu den Anschlägen bekannte sich die Miliz Islamischer Staat. Auf ihr Konto soll auch der Anschlag auf ein russisches Passagierflugzeug über der ägyptischen Sinai-Halbinsel gehen, bei dem Ende Oktober 224 Menschen umkamen.

Die Empfehlung zur Spielabsage sei ihm nicht leichtgefallen, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf einer Pressekonferenz in Hannover. Die Hinweise hätten sich jedoch immer mehr verdichtet. „In einer solchen Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang.“ Er habe die Absage nach Beratungen mit den Sicherheitsbehörden empfohlen. Seine Entscheidung sei auf dem gemeinsamen Flug mit Bundeskanzlerin Angela Merkel von Berlin nach Hannover gefallen. Pistorius sagte, anhand der beim Bund eingegangenen Hinweise sei die Austragung des Spiels nicht zu verantworten gewesen. „Es gab keinen Platz für Fehlinterpretationen.“

Die Fußballfans verließen geordnet und ohne Panik das Stadion. Innerhalb kürzester Zeit sei der Platz vor der Arena so gut wie leer gewesen, berichtete ein Reuters-Fotograf. Die Polizeipräsenz wurde erheblich verstärkt. Aus Lautsprechern ertönte: „Das Fußballspiel heute Abend wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Wir fordern alle Besucher auf, umgehend die Heimreise anzutreten.“ Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Rauball, sprach von einem „traurigen Tag für Deutschland“ und einem „traurigen Tag für den deutschen Fußball“.

Wie Merkel und de Maizière waren auch Vizekanzler Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas, die sich als Zuschauer angekündigt hatten, zum Zeitpunkt der Absage noch nicht im Stadion. Die Busse der deutschen und holländischen Mannschaft befanden sich Rauball zufolge noch etwa fünf Kilometer vom Stadion entfernt und seien dann an einen sicheren Platz gefahren worden. Später machten sich die Spieler auf den Weg nach Hause.

De Maizière sagte, er wolle keine Angaben zur Quelle oder zum Ausmaß der Gefährdung machen. Antworten darauf, könnten Rückschlüsse auf künftiges Verhalten zulassen und Hinweisgeber möglicherweise dazu bringen, keine Hinweise mehr zu geben. Nach „Spiegel Online“-Informationen wurde am Stadion ein „Gefährder“ gesichtet. Der Hinweis auf einen Terroranschlag sei von einem ausländischen Geheimdienst gekommen.