Bundestagsabgeordnete: Nach Brexit sollte EU mehr Deutsch sprechen

Die Abgeordneten trafen sich auch mit EU-Kommissar OEttinger, um Lobbyarbeit für die deutsche Sprache zu betreiben. [European Commission]

Drei Bundestagsmitglieder haben Kanzlerin Angela Merkel aufgerufen, sich dafür einzusetzen, dass in den EU-Institutionen mehr deutsch gesprochen wird.

Die Abgeordneten hatten sich auch mit dem deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger getroffen, um für mehr Deutsch-Gebrauch in der EU zu werben.

„Es wäre gut, wenn nach dem Brexit die beiden anderen offiziellen EU-Sprachen – deutsch und französisch – wieder mehr benutzt würden“, so der CSU-Politiker Johannes Singhammer gegenüber EURACTIV.com. Singhammer ist einer der fünf Bundestags-Vizepräsidenten. „Englisch wird auch nach dem Brexit dominant bleiben; das wird sich nicht ändern. Aber es würde Sinn machen, mehr französisch und deutsch zu sprechen“, so der Politiker weiter.

Singhammer wies auch darauf hin, die Kommission sei in den vergangenen Jahren langsamer geworden, offizielle deutsche Übersetzungen von EU-Dokumenten für Bundestagsmitglieder anzufertigen. Es sei aber „ungemein wichtig, dass wir offizielle Übersetzungen vorliegen haben – insbesondere, wenn es um komplexe Themen geht, wo jeder Buchstabe zählt.“

Unterstützung erhält Singhammer von Gunter Krichbaum (CDU) und Axel Schäfer (SPD).

Plädoyer für nur eine offizielle Amtssprache der EU

Von der Coudenhove-Kalergi-Stiftung kommt der Vorschlag, mittelfristig nur noch eine einzige offizielle Amtssprache innerhalb der EU zuzulassen.

Die Übersetzungsleistungen der Kommission schlagen mit 0,3 Prozent des gesamten EU-Haushalts zu Buche. „Wir sind natürlich bereit, mehr zu tun – wenn die finanziellen Ressourcen es uns erlauben“, erklärte Kommissionssprecherin Mina Andreeva. „Wir hoffen, dass wir uns auch beim nächsten mehrjährigen EU-Haushaltsplan auf die deutsche Unterstützung verlassen können.“

Der derzeitige mehrjährige Haushaltsplan der EU endet 2020. Die Kommission wird im Laufe diesen Jahres ihren Vorschlag für das zukünftige Budget vorlegen. Dieser Vorschlag muss dann vom Europäischen Parlament und den nationalen Regierungen angenommen werden. Deutschland ist der größte Nettozahler in der EU.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte im Mai für Schlagzeilen gesorgt, als er sagte, Englisch verlöre nach dem Brexit innerhalb der EU an Wichtigkeit. Der Luxemburger selber hält des Öfteren Reden auf französisch oder deutsch.

In einem Brief an Kanzlerin Merkel, der EURACTIV vorliegt, schreiben Singhammer, Krichbaum und Schäfer: „Neben der gleichberechtigten Verwendung der deutschen Sprache als Arbeitssprache in den EU-Institutionen und erhöhter Verwendung in allen internationalen Institutionen, muss deutsch vor allem auch in unserem eigenen Land gesprochen werden.“

In einem Antwortbrief teilte Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) mit: „Die Bundesregierung wirbt seit Jahren bei den EU-Institutionen für einen angemessenen Gebrauch der deutschen Sprache. Dazu gehört auch, dass wichtige EU-Dokumente immer zeitnah ins Deutsche übersetzt werden müssen.“

Die Abgeordneten forderten auch, dass Mitarbeiter in allen Bundeseinrichtungen und Ministerien auf deutsch miteinander kommunizieren müssten. Darüber hinaus solle die öffentliche Förderung von akademischen Konferenzen und Vorlesungen, die nicht auf deutsch gehalten werden, beschnitten werden.

Bei der EU-Kommission arbeiten derzeit übrigens 114 der insgesamt 1500 Übersetzer an deutschen Texten – ungefähr so viele, wie für jeweils englisch und französisch.