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27/07/2016

Muslime integrieren sich trotz wachsender Islam-Feindlichkeit

EU-Innenpolitik

Muslime integrieren sich trotz wachsender Islam-Feindlichkeit

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Foto: dpa

Ein Großteil der Muslime in Deutschland teilen die demokratischen Werte der Bundesrepublik. Laut einer Bertelsmann-Studie kommt das bei der Mehrheitsbevölkerung nicht an: Sie fühlen sich mehrheitlich vom Islam bedroht.

Es kam, wie es kommen musste: Das tödliche Attentat auf die Redaktionsräume des Pariser Satire-Magazins “Charlie Hebdo” nutzte die Alternative für Deutschland (AfD) für einen weiteren rechtspopulistischen Schachzug. “All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft”, sagte AfD-Vizechef Alexander Gauland mit Verweis auf die Anti-Islam-Bewegung der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida), die immer mehr Zulauf erhält.

Gauland befeuert damit eine feindliche Grundstimmung gegenüber dem Islam, die in Deutschland laut dem Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung zunimmt. Der aktuellen Umfrage zufolge empfinden 57 Prozent der nicht-muslimischen Bundesbürger den Islam als Bedrohung. Im Jahr 2012 waren es 53 Prozent.

“Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird”, sagt Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Bertelsmann Stiftung.

Jeder Vierte will Einreisesperre für Muslime

61 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, der Islam passe nicht in die westliche Welt. Im Jahr 2012 hatten das 52 Prozent gesagt. 40 Prozent der Befragten fühlen sich zudem durch Muslime wie Fremde im eigenen Land. Jeder Vierte will Muslimen sogar die Zuwanderung nach Deutschland verbieten.

Ein wichtiges Merkmal: Je weniger die Menschen mit Muslimen in Kontakt treten, desto höher ist die Skepsis und Ablehnung. In Nordrhein-Westfalen, wo ein Drittel der Muslime wohnt, fühlen sich 46 Prozent der Bürger bedroht. In Thüringen und Sachsen, wo kaum Muslime leben, äußern das 70 Prozent.

Die verbreitete Islam-Feindlichkeit steht im deutlichen Gegensatz zu einer engen Verbundenheit der in Deutschland lebenden Muslime. Die meisten der vier Millionen Islam-Gläubigen begreifen sich laut der Studie als ein Teil dieses Landes. Ihre Einstellungen und Sichtweisen orientieren sich stark an den Grundwerten der Bundesrepublik wie Demokratie und Pluralität.

90 Prozent der hochreligiösen Muslime halten die Demokratie für eine gute Regierungsform. Neun von zehn Befragten haben in ihrer Freizeit Kontakte zu Nicht-Muslimen. Jeder zweite hat sogar mindestens genauso viele Kontakte außerhalb seiner Religionsgemeinschaft wie mit Muslimen.  

Für die Autoren der Bertelsmann-Studie ist die deutsche Mehrheitsgesellschaft “islamfeindlich”, die zunehmende Ablehnung sei kein Randphänomen mehr. “Auch wenn damit noch keine konkrete Agenda gegen Muslime einhergeht, schafft Islamfeindlichkeit als salonfähiger Trend ein gesellschaftliches Grundklima, in dem rechtspopulistische Parteien einen Nährboden finden und die Diskriminierung von Minderheiten wie Muslimen geduldet wird”, erklärt El-Menouar.

Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung untersucht regelmäßig repräsentativ und international vergleichend die Bedeutung von Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in religiös und kulturell vielfältigen Gesellschaften. Er basiert auf repräsentativen Bevölkerungsumfragen in verschiedenen Ländern. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung haben fünf Wissenschaftler anhand dieser Daten analysiert, wie Muslime in Deutschlandleben und wie der Islam von der Mehrheit wahrgenommen.

Le Pen fordert Wiedereinführung der Todesstrafe

Auch der einflussreiche rechtsextreme Front National in Frankreich versucht aus dem Pariser Attentat Kapital zu schlagen. Via Twitter forderte Parteichefin Marine Le Pen die Wiedereinführung der Todesstrafe und verlangt ein Referendum über diese Frage.

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