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03/12/2016

Merkel will designierter britischer Premierministerin May keinen Druck machen

EU-Innenpolitik

Merkel will designierter britischer Premierministerin May keinen Druck machen

Angela Merkel bei einem Gipfeltreffen in Brüssel.

[European Council]

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die designierte britische Premierministerin Theresa May in der Brexit-Frage nicht unter Druck setzen.

Es müsse „einen Zeitraum geben, in dem die neue Regierung sich auch klar wird: Welches Verhältnis wollen wir zur Europäischen Union haben“, sagte Merkel in einem Interview, das der Fernsehsender Sat.1 am späten Dienstagabend ausstrahlen wollte. „Das können wir ja nicht definieren.“

„Und je nachdem wie die britische Regierung sich entscheidet, werden dann auch die Austrittsverhandlungen laufen“, fügte die Kanzlerin hinzu. „Und insofern geben wir jetzt der britischen Regierung die Zeit, sich das genau zu überlegen.“ Dann werde der Antrag „schon eingehen“, sagte  Merkel mit Blick auf den offiziellen Antrag, der die Austrittsverhandulngen zwischen London und Brüssel einleitet. Sie freue sich, May kennenzulernen, sagte Merkel.

Die bisherige Innenministerin soll am Mittwoch Nachfolgerin des britischen Premierministers David Cameron werden, der nach dem Brexit-Votum der Briten vom 23. Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte. Cameron wollte ursprünglich erst im September sein Amt abgeben, kündigte dann aber überraschend an, schon am Mittwoch seinen Posten zu räumen. Mit dem Rückzug ihrer letztenKonkurrentin Andrea Leadsom war May am Montag in der konservativen Partei als einzige Kandidatin um die Cameron-Nachfolge übrig geblieben.

May hatte angekündigt, den EU-Austritt Großbritanniens nicht vor dem Jahresende zu erklären. Allerdings sagte sie dies, bevor Cameron seinen Rücktritt beschleunigte.