EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

24/07/2016

Merkel verspricht Juden in Deutschland Sicherheit

EU-Innenpolitik

Merkel verspricht Juden in Deutschland Sicherheit

"Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben", sagt Angela Merkel.

© Christliches Medienmagazin pro (CC BY-SA 2.0)

Nach den Terror-Anschlägen von Kopenhagen hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die europäischen Juden aufgerufen, nach Israel auszuwandern. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Juden in Deutschland Schutz zugesagt.

“Wir werden seitens der Bundesregierung, aber auch seitens der Landesregierungen und aller Verantwortlichen in Deutschland alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen, die Sicherheit der Bürgerinnern und Bürger, die jüdischer Herkunft sind, gewährleistet wird”, sagte Angela Merkel am Montag in Berlin.

Die Bundeskanzlerin reagierte damit auf eine Ausreise-Aufforderung an Juden in Europa durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. “Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben”, sagte Merkel. “Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt.”

Netanjahu hatte die Juden in Europa nach einem Anschlag auf eine Synagoge in Kopenhagen erneut zur Auswanderung in den jüdischen Staat aufgefordert: “Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren”, sagte er.

Bei Anschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge in Kopenhagen waren am Wochenende drei Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Am Sonntag hatte Merkel der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in einem Telefongespräch ihre Anteilnahme zu den Anschlägen ausgedrückt. Merkel erklärte, Deutschland stehe fest an der Seite Dänemarks und sicherte Thorning-Schmidt einen weiterhin engen Kontakt bei Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus zu

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rief die Sicherheitsbehörden am Montag zu Wachsamkeit auf: “Wer geglaubt hat, dass die Terroranschläge von Paris einmalige Vorfälle waren, sieht sich leider schrecklich getäuscht. Der Terror gegen islamkritische Journalisten und jüdische Einrichtungen ist endgültig mitten in Europa angekommen.” Die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen hätten offensichtlich schlimmeres Blutvergießen verhindert.

“Wir appellieren an die Sicherheitsbehörden, weiterhin wachsam zu bleiben und Sicherheitsvorkehrungen gegen jüdische Einrichtungen nochmals kritisch zu überprüfen”, so Schuster. “Unter dieser Voraussetzung ist jüdisches Leben auch in Deutschland weiterhin möglich.”

Für Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ist “ein Exodus der europäischen Juden nach Israel keine Lösung der massiven Gefährdung durch islamistischen Terror”. Denn dieser bedrohe die europäischen Demokratien als Ganzes. Wer in Europa Juden angreife, greife die gesamte europäische Gesellschaft und ihre freiheitlichen Werte an, so Knobloch. “Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus bin ich der Ansicht, dass Israel weltweit eine starke und schlagkräftige Diaspora braucht – und dazu gehören u.a. auch die europäischen Juden.“

Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls appellierte an die Juden, in Frankreich zu bleiben. “Meine Botschaft an die französischen Juden lautet: Frankreich ist genauso verletzt wie Ihr es seid, und Frankreich wünscht nicht, dass Ihr das Land verlasst.” Frankreich hat in Westeuropa die größte jüdische Gemeinde, die immer wieder Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt ist. Erst am Sonntag hatten Unbekannte im elsässischen Sarre-Union über 200 Gräber auf einem jüdischen Friedhof geschändet.

Vor einigen Wochen hatte es mehrere Tote bei einem Anschlag mit islamistischen Hintergrund auf einen koscheren Lebensmittelladen in Paris gegeben. Schon damals hatte Netanjahu den französischen Juden die Auswanderung nach Israel nahegelegt.