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03/12/2016

Kükentötung in der Landwirtschaft: Das Schreddern geht weiter

EU-Innenpolitik

Kükentötung in der Landwirtschaft: Das Schreddern geht weiter

Der Bundeslandwirtschaftsminister sieht aktuell keine Alternativen zum Töten von frisch geschlüpften Küken.

Marc Tirl/dpa

Millionen frisch geschlüpfte Hühnerküken werden jedes Jahr in Deutschland getötet – weil die Männchen wertlos sind. Obwohl Experten darin einen Verstoß gegen den Tierschutz sehen, entschied die Bundesregierung gegen ein Verbot der Praxis.

Schlüpft ein Hühnerküken in einer industriellen Brüterei, wird sofort sortiert: Die Weibchen werden von den Mitarbeitern herausgepickt und in Kartons an Aufzuchtbetriebe versendet. Die jungen Hähne hingegen gelangen über eine Art Rutsche entweder in eine Häckselmaschine oder werden mit Kohlendioxid erstickt. Denn für die Agrarindustrie sind männliche Küken nutzlos.

Allein in Deutschland werden darum jedes Jahr zwischen 45 und 50 Millionen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet – ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wie die meisten Experten meinen, denn die Küken erleiden bei beiden Todesarten oft große Qualen. Dennoch stimmten CDU/CSU und SPD aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nun erneut gegen ein Verbot dieser Praxis. „Tierwohl verbessern geht nicht mit der Brechstange und mit Verboten, sondern nur gemeinsam mit den Tierhaltern“, kommentierte der CDU-Abgeordnete Dieter Stier die Entscheidung, „sonst verlagern wir die Tierhaltung ins Ausland.“

Politische Bankrotterklärung

„Der Deckmantel, den Bundesagrarminister Christian Schmidt über das Kükenschreddern legt, ist eine politische Bankrotterklärung, kritisiert hingegen Friedrich Ostendorff, Sprecher der Grünen für Agrarpolitik.

Die Grünen hatten die Kükentötung abschaffen wollen und im Bundestag einen Antrag (pdf) eingereicht, der ein Verbot des Schredderns von Eintagsküken mit einer angemessenen Übergangsfrist forderte. Und auch die Bundesländer würden diese Praxis gerne beenden. Die behördlich bislang geduldete Tötungspraxis sei mit der Grundkonzeption des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar, so ein vom Bundesrat beschlossener Gesetzentwurf.

Der Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft verkündete am Freitag, dass auch Schmidt das Töten männlicher Eintagsküken benden wolle. „Die Bundesregierung fördert seit 2008 mit über 2 Millionen Euro Forschungsprojekte der „In-Ovo-Geschlechtsbestimmung beim Haushuhn“. Aktuell fördere die Bundesregierung die Entwicklung eines voll automatischen Geräte-Prototyps zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im befruchteten Hühnerei und anschließenden Sortierung der Eier. Schmidt wolle das  Forschungsvorhaben für eine praxistaugliche Alternative mit finanziellen Mitteln in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro vorangetreiben. Der Minister bleibe aber dabei: „Ein gesetzliches Verbot würde das Problem lediglich ins Ausland verlagern. Damit wäre dem Tierwohl nicht geholfen.“

Nicht nur in Deutschland bleibt die Praxis nun weiterhin legal. Für die restliche EU schreibt sogar eine entsprechende Verordnung vor, wie mit den Küken zu verfahren ist: Die zu tötenden Männchen dürfen demnach nicht älter als 72 Stunden sein und beim Schreddern sei darauf zu achten, die Häckselmaschine nicht zu überfüllen.