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27/09/2016

Juncker: Ich habe ein schwarzes Buch über meine Feinde und habe Farage nie geküßt

EU-Innenpolitik

Juncker: Ich habe ein schwarzes Buch über meine Feinde und habe Farage nie geküßt

Junker im Europäischen Parlament während er seine Verwunderung äußert, dass Farage nach der Brexit-Abstimmung erschienen ist.

[European Parliament/Flickr]

Jean-Claude Juncker hat ein kleines schwarzes Buch, das er „kleiner Moritz“ nennt. In dem notiert die Namen von denen, die ihn betrogen haben, so der Präsident der Europäischen Kommission in einem Interview, in dem er auch dementiert, dass er den Chef der UKIP, Nigel Farage, nach der Brexit-Abstimmung geküßt haben soll.

“Ich habe nie Rache genommen,” so Juncker gegenüber der  Belgischen Zeitung Le Soir, aber “ich habe Vorkehrungen getroffen“, ergänzt er

Es gäbe nicht viele Namen in diesem Buch, sagte Juncker, weil er so selten betrogen worden sei.

„Ich bin nicht verbittert, aber ich habe ein gutes Gedächtnis“, erzählte Juncker. Das Buch hätte ihm gute Dienste in seiner Zeit als  Premierminister von Luxemburg geleistet. Den Menschen, die Juncker angreifen wollen, sagte er: „Seien Sie vorsichtig – der kleine Moritz  wartet auf Sie“. Lachend ergänzte er: „Es hat eine abschreckende Wirkung“.

Seit Juncker im November 2014 Chef der Europäischen Kommission ist, wird er immer wieder mit Rücktrittsforderungen konfrontriert und die Gerüchte über Alkoholismus  wollen nicht abklingen. Im Interview befragt, ob diese Gerüchte stimmen, antwortet Juncker mit „Nein“.

Juncker bestritt ebenfalls, dass die Folgen der britischen Brexit-Abstimmung seine Position geschwächt hätten.

„Bei jedem Ruf nach meinen Rücktritt, gibt es einen tieferliegenden Grund,“ sagte Juncker, „aber keiner davon hat mich tief genug beeindruckt, um mich zu destabilisieren. Ich bin stabil!“

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Vergangene Woche hatte Juncker Michel Barnier als Brexit-Unterhändler berufen. Der ehemalige Binnenmarktkommissar – einst zuständig für die EU-Finanzvorschriften – hat ein schwieriges Verhältnis mit der Londoner City.
„Michel Barnier ist ein guter Kerl,“ Juncker sagte im Interview: „Die Briten mögen ihn nicht, aber das bedeutet nicht, dass er die Briten nicht mag.“

Juncker sagte, dass die Probleme, die Europa jetzt angehen muss ein Grund sind, die EU zu festigen und zu stärken – nicht sie zu schwächen. „Deswegen bin ich über den Brexit traurig, weil ich die nächsten zwei oder drei Jahre damit verbringen muss, mich mit einem Rückbau auf einer Baustelle kümmern muss. Die richtige Balance zwischen den beiden zu finden, ist schwierig.“

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„Ich habe Farage nicht geküßt“

Juncker lobte seinen Erzfeind Nigel Farage, den Chef der UK Independence Party und den Mann, der wesentlich verantwortlich dafür ist, dass der frühere Premierminister David Cameron sich gezwungen sah, das Referendum auszurufen.

„Ich respektiere den Mann. Er hat einen guten Sinn für Humor und ist gebildet“, sagte Juncker und leugnete danach, daß er Farage während der Debatte im Europäischen Parlament im Anschluss an der Brexit-Abstimmung geküsst haben soll.

„Am Tag nach dem Brexit, sagte ich ihm: ‚Ich bin fassungslos, dass Sie noch hier sind‘ und ich sagte ihm etwas ins Ohr, das kein Kompliment war. Diese Fotos machten den Eindruck, als hätte ich ihn geküßt“ erklärte er.

„Soll ich jetzt daraus eine große Sache machen und überall sagen: „Ich habe ihm etwas ins Ohr geflüstert oder lasse ich es einfach? In meinem Alter lässt man es. “

Barroso

Juncker nahm im Interview auch Bezug auf den kontrovers diskutierten Einstieg seines Vorgängers, Jose Manuel Barroso, beim Finanzinstitut Goldman Sachs, das wesentlich für die europäische Finanzkrise verantwortlich gemacht wird.

„Ich werde nicht bei Goldman Sachs einsteigen“, sagte Juncker. „Die Tatsache, dass Barroso für eine Bank arbeitet, stört mich nicht. Aber diese Bank ist ein Problem für mich.“

„Er hat die Regeln befolgt, aber seinen Arbeitgeber muss man gut wählen.“

Juncker offenbarte im Interview, dass er Journalist werden wollte, als er jünger war und wie sein Vater und seine Onkel gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg kämpfen mussten.

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