EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

09/12/2016

Jobs sichern mit europäischen Insolvenzregeln?

EU-Innenpolitik

Jobs sichern mit europäischen Insolvenzregeln?

Die EU-Kommission will mit der Einführung europäischer Insolvenzregeln Job-Verluste verhindern.

EU-Justizkommissarin Vera Jourova stellte am Dienstag Pläne vor, die es in Schwierigkeiten geratenen Unternehmern ermöglichen soll, frühzeitig eine Sanierung einzuleiten und nach maximal drei Jahren schuldenfrei zu werden. Gleichzeitig sollen aber „Sicherungen“ eingebaut werden, um Missbrauch zu verhindern.

Ein Spiegel der Krise: Insolvenzen in Europa

Die prekäre Lage der Volkswirtschaften Südeuropas spiegelt sich im Insolvenzgeschehen wider. Griechenland, Spanien, Italien und Portugal gehören zu den Ländern mit deutlichen Zuwächsen an Insolvenzen. Was das für exportorientierte Firmen heißt, zeigt eine Übersicht der Creditreform.

EurActiv.de

Jedes Jahr gingen in der EU 200.000 Unternehmen pleite, sagte Jourova. Dabei gingen 1,7 Millionen Arbeitsplätze verloren. „Dies könnte oftmals durch effizientere Insolvenz- und Umstrukturierungsverfahren vermieden werden“, sagte die Justiz-Kommissarin. Es sei „höchste Zeit“, dass Unternehmern „eine zweite Chance für einen Neuanfang“ ohne Schulden bekämen.

Bisher überlebt laut Kommission die Hälfte aller Firmenneugründungen die ersten fünf Jahre nicht. Brüssel will deshalb auch „langwierige, komplexe und kostspielige Gerichtsverfahren“ zu Insolvenzen verhindern, wie die Kommission erklärte. Ein verschuldeter Unternehmer soll demnach während eines Sanierungsversuchs für maximal vier Monate eine „Atempause“ bekommen und vor Zwangsmaßnahmen seiner Gläubiger geschützt sein.

Soziale Kluft: Mehr Europäer trotz Vollzeitjobs von Armut bedroht

Europas Wirtschaft erholt sich. Trotzdem sind immer mehr Menschen mit einem Vollzeitjob von Armut bedroht, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

EurActiv.de

Die zweite Chance auf einen Neuanfang könnte aus Sicht der Kommission auch drei Millionen neue Arbeitsplätze in Europa schaffen. Sie verweist darauf, dass unterschiedliche Insolvenzregeln in der EU ein Hindernis für grenzüberschreitende Investitionen darstellten. Denn Investoren müssten für jedes Land die möglichen Folgen einer Pleite separat kalkulieren.

Arbeitnehmerrechte würden durch den Vorschlag nicht eingeschränkt, sagte Jourova. Für sie würden in Sanierungsphasen weiter die vollen Rechte nach bisherigen EU-Bestimmungen gelten. Im Falle eines Sanierungsplans hätten sie das Recht, über diesen abzustimmen.