EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

04/12/2016

Jedes vierte Kind in Europa von Armut bedroht

EU-Innenpolitik

Jedes vierte Kind in Europa von Armut bedroht

2015 waren in Deutschland fast 15 Prozent der Kinder von Armut oder von sozialer Ausgrenzung betroffen.

Foto: dpa

Rund 22,8 Millionen Kinder unter 16 Jahren und damit 27,4 Prozent wuchsen im Jahr 2014 in benachteiligenden sozialen Verhältnissen heran, wie die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, unter Berufung auf Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat mitteilte.

Dies war ein Anstieg von mehr als 200.000 armen Kindern binnen vier Jahren. 2010 waren 22,6 Millionen beziehungsweise 27,2 Prozent der unter 16-Jährigen von Armut bedroht.

Auch in Deutschland nimmt Zimmermann zufolge seit 2012 die Kinderarmut zu. Während 2012 rund 2,13 Millionen Kinder in der Bundesrepublik von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht gewesen seien, seien dies 2014 bereits 2,27 Millionen gewesen und damit 140.000 mehr. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Kinder in Deutschland stieg nach den Eurostat-Daten in diesem Zeitraum von 18,2 Prozent auf 19,3 Prozent.

„Armut und soziale Ausgrenzung verharren in Europa auf skandalösem Niveau“, erklärte Zimmermann. Nötig seien „Investitionen und Umverteilung statt Kaputtsparen“. „Wir brauchen soziale Standards in Europa statt ein Europa des Sozial- und Lohndumpings.“ Besonders dramatisch sei die Politik der Bundesregierung, die ein rigides Sparkonzept in ganz Europa durchsetze.

Aufgabe der Bundesregierung wäre es, mit durchgreifenden Maßnahmen gegen Armut und soziale Ausgrenzung in Deutschland und in Europa vorzugehen, erklärte Zimmermann.

Die Grünen sprachen von einem „Weckruf“ an alle europäischen Regierungen, „die nächste Generation in den Fokus zu nehmen“. „Europa darf nicht von Armut und sozialer Ausgrenzung dominiert werden“, kritisierte die kinder- und familienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Franziska Brantner. Kinderarmut müsse effektiv bekämpft werden. „Das geht nur mit guter Bildung von Anfang an, Teilhabechancen für alle und einer Reform der monetären
Familienförderung“, erklärte Brantner.