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06/12/2016

Griechenlands Präsident: Türkei macht gemeinsame Sache mit Schleppern

EU-Innenpolitik

Griechenlands Präsident: Türkei macht gemeinsame Sache mit Schleppern

Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos beklagt eine systematische Kooperation zwischen türkischen Behörden und kriminellen Menschenschmugglern. Foto: dpa

Im Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen greift Griechenland die Türkei scharf an: Ankara soll kriminelle Schleuser unterstützen – dafür hätte Athen Beweise, wettert der griechische Präsident Pavlopoulos.

Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos warf der Türkei vor, Rückendeckung zu geben für kriminelle Menschenschlepper. „Ich hege die starke Befürchtung, dass die türkischen Menschenschmuggler Unterstützung von den Behörden bekommen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag. „Vor allem die Hafenbehörden tun so, als ob sie nichts mitbekämen. Wir haben Beweise dafür.“ Das Geschäft der Menschenhändler sei „eine Art Sklavenhandel“.

Der Türkei, wo sich rund 2,2 Millionen Flüchtlinge allein aus Syrien aufhalten, kommt bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise eine entscheidende Rolle zu. Die Europäische Union hatte mit Ankara vereinbart, dass die Türkei den Flüchtlingszuzug in die EU stärker begrenzen soll. Im Gegenzug kann Ankara mit Milliardenhilfen, beschleunigten EU-Beitrittsgesprächen und Reiseerleichterungen für Türken in die EU rechnen.

Bisher habe die Türkei aber die Zahl der Flüchtlinge nicht reduziert, sagte Pavlopoulos der Zeitung. Erst wenn dies geschehen sei, werde Griechenland seinen Anteil an den finanziellen Hilfen leisten. „Griechenland wird all seine Verpflichtungen erfüllen, wenn die Türkei ihre Verpflichtungen erfüllt hat. Bislang hat die Türkei nicht geliefert“, sagte der griechische Präsident.

Vor wenigen Tagen hatte sich bereits die EU-Kommission angesichts nahezu unverändert hoher Flüchtlingszahlen unzufrieden mit der Türkei gezeigt.

Der griechische Staatspräsident, der am Montag in Berlin erwartet wird, lobte Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik als „tapfer“. Am Montag wird Pavlopoulos in Berlin erwartet. Geplant ist unter anderem ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.