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30/09/2016

Gender-Gap-Report: Frauen in Deutschland verdienen immer noch wesentlich weniger

EU-Innenpolitik

Gender-Gap-Report: Frauen in Deutschland verdienen immer noch wesentlich weniger

Laut dem Global Gender Gap Report ist es auch in Deutschland noch ein weiter Weg bis zur Gleichstellung der Geschlechter.

© Sam Churchill (CC BY 2.0)

Die wirtschaftliche Schere zwischen den Geschlechtern schließt sich immer noch viel zu langsam, zeigt der Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums. Auch in Deutschland besteht noch viel Aufholbedarf.

Bei der wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen ist Deutschland im weltweiten Ländervergleich noch immer im Hintertreffen. In der aktuellen Gender-Gap-Studie findet sich die Bundesrepublik zwar auf Platz elf von 145 betrachteten Ländern. Auch verbesserte sich das Land im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz. Doch abseits von guten Bedingungen in den Bereichen Gesundheit und politische Teilhabe bleiben Defizite.

Die Studie, die anlässlich des World Economic Forum 2016 in Zusammenarbeit mit diversen weltweit tätigen Unternehmen durchgeführt wurde, untersuchte weltweit 145 Länder mit Blick auf ihre geschlechtsspezifische Unterschiede in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Bildung und Gesundheit.

Vor allem bei der Lohngleichheit und Frauen in Führungspositionen besteht Aufholbedarf, wie eine Sonderanalyse der ManpowerGroup Deutschland zeigt. So besetzt die Bundesrepublik im Teil-Bereich „Wirtschaft“ nur Platz 38. Weit oben stehen hier die nordische Länder Island, Norwegen, Finnland und Schweden auf den Plätzen eins bis vier.

Dass vor allem im Job noch große Unterschiede klaffen, zeigt der Vergleich der Gehälter. Während vollbeschäftigte Frauen im Durchschnitt rund 32.000 Euro verdienen, sind es bei den Männern etwa 49.ooo Euro Gehalt – ein Unterschied von 34 Prozent.

Beim Thema Frauen in Führung haben deutsche Unternehmen Nachholbedarf

Auch Führungspositionen sind noch stärker von Männern bestetzt. Weniger als ein Drittel,  29 Prozent der berufstätigen Frauen, haben zurzeit eine leitende Top-Position inne. Damit belegt Deutschland im internationalen Vergleich Platz 73 – im Vergleich etwa mit Großbritannien, wo Top-Führungsriegen aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor und Regierung zu 43 Prozent weiblich besetzt sind.

Vollzeitbeschäftigt sind zudem weiterhin wesentlich mehr Männer. Während etwa 38 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es bei den Männern nur knapp neun Prozent.

Globale Gleichstellung dürfte noch mehr als 100 Jahre dauern

Weltweit wird es bis zur vollständigen Gleichstellung von Mann auf Frau in Arbeitswelt, Bildung und Politik nach Ansicht des Weltwirtschaftsforums (WEF) noch mehr als 100 Jahre dauern. Wenn nicht endlich das Tempo der Angleichung bei Einkommen, Bildung und Aufstiegschancen anzieht, werde dieses Ziel weltweit wohl erst im Jahr 2133 erreicht, warnt der „Global Gender Gap Report 2015“.

Rund 250 Millionen Frauen haben der Studie zufolge seit 2006 neu Zugang zu den globalen Arbeitsmärkten erhalten, zugleich halte jedoch die Lohnungleichheit weiter an. „Frauen verdienen heute so viel wie Männer vor einem Jahrzehnt“, heißt es in dem Report. Auf dem sechsten Platz steht laut WEF Ruanda, das seit Jahren beispielhafte Fortschritte in Sachen Geschlechtergerechtigkeit erzielt habe. Auch die Philippinen (Rang sieben) sind demnach sogar für viele industrialisierte Staaten ein Vorbild. In den „Top Ten“ folgen die Schweiz, Slowenien und Neuseeland.