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09/12/2016

Gegenseitige Schuldzuweisungen nach Hooligan-Krawallen bei EM

EU-Innenpolitik

Gegenseitige Schuldzuweisungen nach Hooligan-Krawallen bei EM

Nach den Krawallen von Hooligans geben sich die Regierungen gegenseitig die Schuld an der Eskalation.

Foto: Reuters

Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen haben Frankreich, Russland und England auf die schweren Ausschreitungen von Fußball-Fans bei der EM reagiert.

Frankreichs Sportminister Patrick Kanner warf Russland am Montag mangelnde Bereitschaft zur Kooperation im Vorgehen gegen russische Hooligans vor. Die Fußballverbände von Russland und England wiederum kritisierten Versäumnisse bei den von Frankreich verantworteten Sicherheitsvorkehrungen. Ein Gericht in Marseille verurteilte derweil mehrere Hooligans zu Haftstrafen von bis zu einem Jahr.

Sportminister Kanner sprach gegenüber AFP von „50 bis 200 russischen Hooligans, die außer Gefecht gesetzt werden“ müssten. Die russischen Behörden hätten diese Hooligans „niemals ausreisen lassen dürfen, und sie müssen nun reagieren“. Es gebe indes einen „bedauerlichen Mangel“ an Kooperationsbereitschaft auf Seiten Russlands, kritisierte Kanner.

Bilder aus Marseille hatten am Wochenende für Entsetzen gesorgt: Am Rande der Partie England gegen Russland lieferten sich teilweise betrunkene Fußballfans wahre Straßenschlachten. 35 Menschen wurden verletzt. Die Gewalt ging offenbar vor allem von organisierten russischen Hooligans aus, die englische Fans attackierten – fast alle Verletzten sind Engländer.

Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin sprach von 150 „extrem trainierten“ russischen Hooligans. Kein einziger der russischen Hooligans konnte festgenommen werden, wie Robin einräumen musste.

Ein Strafgericht in Marseille verurteilte im Laufe des Montags neun Hooligans zu Haftstrafen und einen weiteren zu einer Bewährungsstrafe. Die Urteile trafen sechs Briten, drei Franzosen und einen Österreicher. Das härteste Urteil lautete auf ein Jahr Haft: Damit wurde ein 29-jähriger Franzose bestraft, der drei Menschen mit Faustschlägen, Fußtritten und Gürtelhieben traktiert hatte.

Der Chef des englischen Fußballverbands FA kritisierte die von Frankreich verantworteten Sicherheitsvorkehrungen derweil als „inakzeptabel“. In einem Brief an den europäischen Verband Uefa, der AFP vorliegt, äußerte FA-Chef Greg Dyke „ernste Sorgen“ mit Blick auf die Sicherheit des nächsten England-Spiels am Donnerstag. In Marseille seien England- und Russland-Fans unzureichend auseinandergehalten worden, kritisierte Dyke. Zudem sei es Fans gelungen, Feuerwerk und Bengalfackeln ins Stadion zu schmuggeln.

England trifft am Donnerstag im nordfranzösischen Lens auf Wales. Da am Tag davor die russische Mannschaft im nahe gelegenen Lille spielt, werden neue Zusammenstöße zwischen Russen und Engländern befürchtet.

Ein ranghoher russischer Fußballfunktionär stärkte derweil den aggressiven Fans seiner Nationalmannschaft den Rücken. Igor Lebedew, Vorstandsmitglied der Russischen Fußballunion, twitterte am Montag: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!“

Nicht die Fans seien Schuld an dem, was in Marseille und anderen französischen Städten geschehen sei, sondern die Unfähigkeit der Veranstalter der Fußball-EM in Frankreich, erklärte der Funktionär. Lebedew kritisierte „die Politiker und Funktionäre, die unsere Fans verurteilen.“

Lebedew ist der Sohn des Rechtsaußenpolitikers Wladimir Schirinowski, dessen ultranationalistische Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) er als Abgeordneter in der Duma, dem russischen Unterhaus, vertritt. Im Gegensatz zu ihm hatte das Exekutivkomitee der Russischen Fußballunion die Gewalt verurteilt.

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