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19/01/2017

Fußballer drängen EU-Kommission zu Beseitigung des Transfersystems

EU-Innenpolitik

Fußballer drängen EU-Kommission zu Beseitigung des Transfersystems

Kevin de Bruyne wurde für 75 Millionen Euro an Manchester City verkauft.

[Erik Drost/Flickr]

Die internationale Spielergewerkschaft der Fußballer forderte am Freitag, das bestehende Transfersystem abzuschaffen. Sie hat eine rechtliche Beschwerde bei der EU gegen die FIFA eingelegt, die Transferfenster abschaffen und Ablösesummen für Spieler senken könnte.

Das derzeitige System führe zur „Sklaverei“ vieler Spieler, sagte FIFPro. Fußballer würden von ihren Klubs und Agenten ausgebeutet.

Transferfenster – Perioden, in denen Spieler gekauft und verkauft werden – trieben Summen bis zur Unanständigkeit in die Höhe, sagte Phillipe Piat, Präsident von FIFPro. Er verwies auf die Ablösesumme von 75 Millionen Euro von Manchester City für den Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne.

FIFPro legte am 18. September Beschwerde bei der EU-Kommission mit dem Argument ein, dass der Transfermarkt EU-Recht verletze, da große Klubs die besten Fußballspieler untereinander behielten. Die gängige Praxis sei zudem unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten ungerecht.

Die Kommission hat weitreichende Kompetenzen im Wettbewerbsrecht. Im Bosman-Urteil von 1995 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Spieler ihre bisherigen Klubs ohne Ablösesummen verlassen dürfen, wenn ihr Vertrag ausgelaufen ist.

Hohe Transfersummen würden bedeuten, dass kleinere Klubs nicht mit den großen Klubs konkurrieren könnten. 67 Prozent aller von großen Klubs verkauften Spielern gingen zu anderen großen Vereinen, sagte Theo van Seggelen, Generalsekretär von FiFPro.
FIFPro verwies zudem darauf, dass Spielerverträge viel mehr Finanzierungsinstrumente als wahrhafte Arbeitsverträge darstellen würden.

Es sei nicht ungewöhnlich für Spieler, ihre laufenden Verträge vorzeitig zu verlängern bevor sie dann verkauft werden. Falls sie nicht unterschrieben, würden sie oft in die Reserveteams verbannt, sagte Piat. Zusätzlich würden junge Spieler von skrupellosen Agenten „gehandelt“ und nach Europa transferiert. Die Tatsache, dass Agenten Spieler vertreten sollten, aber von den Klubs bezahlt werden, sei inakzeptabel.

Auf die Frage, ob Klubs simpel mit Gehaltserhöhungen auf ein geändertes Transfersystem reagieren würden, sagte van Seggelen, dass Garantien eingeführt würden, um sicherzustellen, dass Teams nachhaltig und wettbewerbsfähig sind. Kleinere Teams wären dann in einer stärkeren Position, um eventuell mit den großen Vereinen zu konkurrieren. Die Veränderung sei nötig, damit nationale Ligen kleinerer Länder es weiter wert sind, verfolgt zu werden.

Die rechtliche Klage folgt auf die „Financial Fair Play“ Regeln der UEFA, welche von den EU-Richtern begutachtet werden. Diese wurden dafür kritisiert, den Status quo der großen Teams aufrecht zu erhalten.

Jegliche Entscheidung aus Brüssel braucht naturgemäß einige Jahre, bevor sie wirksam wird. Falls die Kommission die Spielergewerkschaft unterstützt, werden Klubs mit ziemlicher Sicherheit gegen das Urteil Berufung einlegen, was langjährige Gerichtsverfahren mit sich ziehen werde.

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