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06/12/2016

Frontex-Chef fordert von EU-Mitgliedern mehr Unterstützung

EU-Innenpolitik

Frontex-Chef fordert von EU-Mitgliedern mehr Unterstützung

Die Kontrolle der EU-Außengrenze wird laut Frontex-Chef Fabrice Leggeri eine langfristige Herausforderung für die EU bleiben.

Foto: dpa

Angesichts der Flüchtlingskrise fordert der Chef der EU-Grenzschutzbehörde Frontex mehr Unterstützung seitens der EU-Mitgliedstaaten. Insbesondere mehr personelle Hilfe sei nötig, sagt Frontex-Chef Fabrice Leggeri.

>> Ein Appell aus Mitteleuropa zur Flüchtlingskrise

Die Ereignisse der vergangenen Monate hätten vor Augen geführt, „dass wir dringend zu einem einheitlichen europäischen Grenzmanagement finden müssen“, sagte Fabrice Leggeri in einem Interview mit der „Welt“ und der spanischen Zeitung „El País“ für die „Leading European Newspaper Alliance“ (LENA).

„Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir mehr personelle Unterstützung seitens der Länder brauchen – Leute, die wir vor Ort einsetzen können, und die brauchen wir jetzt“, sagte Leggeri. Gegenwärtig verfüge Frontex über 65 Gastkontrolleure, die die Mitgliedsstaaten jeweils für sechs Monate an die Behörde ausleihen. „Mein Vorschlag wäre, dass die Frist auf ein Jahr verlängert wird. Das würde unsere Flexibilität schon deutlich erhöhen“, sagte der Frontex-Chef.

Frontex will die systematische Erfassung der nach Europa strömenden Flüchtlinge demnach verbessern. Gemeinsam mit dem Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) und der EU-Agentur für die Koordination von IT-Systemen für einen sicheren Datenaustausch (EU-LISA) arbeite seine Behörde derzeit an der Entwicklung einer neuen Technologie für die Registrierung von Migranten und Flüchtlingen, sagte Leggeri. Das neue System solle kompatibel sein mit den Systemen in den EU-Staaten.

„Meine Vision ist, dass Frontex künftig ein ganzes Registrierungspaket anbieten kann – die Technologie, die nötigen Geräte und auch diejenigen, die die Geräte bedienen“, sagte Leggeri in dem Interview. Eine geordnete Registrierung an den europäischen Außengrenzen sei schließlich auch die notwendige Basis, um künftig die Flüchtlinge im Falle einer Einigung auf EU-Quoten systematisch auf die Mitgliedstaaten verteilen zu können.

Leggeri betonte, dass ein gutes Grenzmanagement aus seiner Sicht nur ein Baustein sein könne in einer großen Strategie für die Bewältigung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise. Unter anderem müsse auch der europaweite Kampf gegen Schleuser und gegen das organisierte Verbrechen verbessert werden.

Laut Frontex ist ein Abschwächen des Flüchtlingsandrangs Richtung Europa vorerst nicht zu erwarten. „Die Geschwindigkeit und Dynamik des Flüchtlingszustroms bleibt weiterhin außergewöhnlich hoch“, sagte der Frontex-Chef. Laut den Risikoanalysten der Behörde werden in den nächsten Wochen vor allem Familien mit Kindern jede Chance nutzen, um nach Europa zu kommen, bevor der Wintereinbruch eine Überfahrt noch riskanter macht. Den Schätzungen zufolge warteten allein an der türkischen Westküste derzeit bis zu 500.000 Flüchtlinge darauf, die Überfahrt nach Griechenland anzugehen.

Europa sieht sich derzeit mit der schwersten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Pläne der EU-Kommission für verpflichtende Quoten zur Verteilung der Flüchtlinge auf die Mitgliedstaaten scheiterten bislang insbesondere am Widerstand osteuropäischer Länder. Viele Flüchtlinge versuchen aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Bei der gefährlichen Überfahrt kommen immer wieder Menschen ums Leben.