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29/09/2016

Flüchtlingskrise ist größtes Sorgenkind der EU-Bürger

EU-Innenpolitik

Flüchtlingskrise ist größtes Sorgenkind der EU-Bürger

76 Prozent der Deutschen halten die Flüchtlingskrise für die derzeit größte Bedrohung in der EU.

[Maik Meid/Flickr]

Europäer halten die Flüchtlingskrise laut einer aktuellen Studie für die derzeit größte Bedrohung der EU – größer sogar noch als den Terrorismus. Das Thema Klimawandel liegt weit abgeschlagen am unteren Ende der Liste. EurActiv Frankreich berichtet.

Für mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung ist die Flüchtlingskrise zum größten Sorgenkind geworden, so eine am Montag veröffentlichte Eurobarometer-Studie. Bei der Befragung in den EU-Mitgliedsländern und Beitrittskandidaten stellten die Teilnehmer die Flüchtlingsfrage somit über andere Problembereiche wie den Terrorismus oder die Wirtschaft.

In allen Umfrageländern stufen 58 Prozent der Teilnehmer Migration als eines der beiden größten Problemfelder der EU ein. Mit 79 Prozent ist dieser Anteil in Estland besonders hoch, dicht gefolgt von Dänemark, Deutschland und Tschechien mit jeweils 76 Prozent. In Frankreich halten etwa die Hälfte der Teilnehmer (49 Prozent) Immigration für die größte Herausforderung in der EU. Das entspricht einem Anstieg um 15 Prozentpunkte seit der letzten Befragung im Frühjahr 2015.

Hinter der Sorge um die Einwanderung gehört Deutschland zu Ländern, in denen die Lage der öffentlichen Finanzen der Mitgliedsstaaten (25 Prozent) auf Platz zwei rangiert. Ähnlich empfinden die Italiener (25 Prozent), die Zyprioten (43 Prozent), die Portugiesen (38 Prozent) und die Finnen (30 Prozent).

Terrorismus an zweiter Stelle

Seit den Terroranschlägen auf die Satirezeitung Charlie Hebdo vom 15. Januar 2015 gilt Terrorismus in Frankreich als zweitgrößte Bedrohung für die EU. Die meisten Daten des aktuellen Eurobarometers wurden vor den Terroranschlägen im November 2015 erhoben. Dennoch geben 27 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass für sie Terrorismus die größte Gefahr darstelle – damit liegt ihr Anteil um acht Prozentpunkte höher als im letzten Jahr.

Jeweils 22 Prozent der französischen Umfrageteilnehmer sorgen sich im EU-Kontext vor allem um die Wirtschaft und um Arbeitslosigkeit. Auf nationaler Ebene hingegen gilt die Erwerbslosigkeit für 54 Prozent als schwerste Herausforderung Frankreichs.

Obwohl die Weltklimakonferenz (COP21) vom vergangenen Dezember als durchschlagender Erfolg gilt und viel Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschaffen hat, zählen Klimawandel (sechs Prozent), Umwelt (fünf Prozent) und Energieversorgung (drei Prozent) bei den EU-Bürgern eher zu den weniger dringenden Herausforderungen.

Eine gemeinsame Lösung

Die meisten Europäer (68 Prozent) sind für einen gemeinsamen europäischen Ansatz in der Flüchtlingskrise. Nur etwa ein Viertel (24 Prozent) ist dagegen. Die französische Bevölkerung zeigt sich etwas skeptischer als der europäische Durchschnitt: 64 Prozent sind für und 27 Prozent gegen eine koordinierte europäische Lösung.
Die stärkste Unterstützung dieses Vorschlags findet sich in den Niederlanden (83%), in Deutschland (82%), in Spanien (81%) und in Luxemburg (80%). In der Tschechische Republik allerdings, spricht sich eine Mehrheit der Befragten gegen eine gemeinsame Einwanderungspolitik aus (55% gegenüber 37%).

Auffallend sind auch die unterschiedlichen Antworttrends in den einzelnen Gesellschaftsgruppen. 92 Prozent der in der Studie als „obere Schicht“ bezeichneten Franzosen unterstützen einen gesamteuropäischen Ansatz, jedoch nur 35 Prozent der „Arbeiterschicht“. Insgesamt war die Zustimmung zu einer europäischen Lösung bei den Linkswählern mit 81 Prozent höher als bei den Rechtswählern (58 Prozent).

Mit zweierlei Maß messen

Die Einstellung zum Flüchtlingsthema scheint sehr stark von der Herkunft der Migranten abzuhängen. So sehen 51 Prozent der französischen Bevölkerung die Migrationsströme innerhalb der EU in einem positiven Licht. Nur 30 Prozent hingegen haben eine positive Einstellung zu Migrationsströmen von außerhalb der EU.

Weitere Informationen

EU-Kommission