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24/01/2017

Flüchtlingsunterstützung in der EU: Die Mitgliedsstaaten im Vergleich

EU-Innenpolitik

Flüchtlingsunterstützung in der EU: Die Mitgliedsstaaten im Vergleich

Berlin, September 2014

[Montecruz Foto/Flickr]

Die finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge spaltet die EU. Vor dem Hintergrund einer fehlenden gemeinsamen Politik gehen Flüchtlinge naturgemäß dorthin, wo sie das für sie günstigste System vorfinden. Ein Vergleich der Unterstützung für Asylbewerber in einigen wichtigen EU-Aufnahmeländern.

Großbritannien: Im vergangenen Jahr nahm das Land 31,745 Asylbewerber auf, rund ein Sechstel weniger als Deutschland. Den Flüchtlingen wird in Großbritannien oft eine Unterkunft angeboten, selten aber in London und dem wohlhabenden Südosten Englands. Pro Person erhalten sie ein wöchentliches Taschengeld von umgerechnet 50 Euro pro Person. Schwangere Frauen oder Frauen mit Kindern bis drei Jahren können etwas mehr erhalten. Je nach Alter des Kindes liegt dieser Zusatz zwischen drei und fünf Pfund pro Woche.

Eine einmalige Zusatzunterstützung in Höhe von 300 Pfund steht Frauen kurz vor oder nach der Geburt ihres Kindes zur Verfügung. Asylbewerber haben auch Zugang zum Nationalen Gesundheitsdienst (NHS). Ihre Kinder haben im Alter von drei bis 17 Jahren einen kostenlosen Bildungszugang.

Deutschland: In den ersten sieben Monaten 2015 wurden in Deutschland 218.221 Asylanträge registriert. Im gesamten Vorjahr waren es nur 202.834 Anträge.

Aufnahmezentren decken die Unterbringung, Lebensmittel, Kleider und die Gesundheitsversorgung ab.

Asylbewerber bekommen 143 Euro Bargeld pro Monat für den persönlichen Bedarf. Diejenigen, denen kein Asyl gewährt wird, würden nicht dahin zurückgeführt, wo sie zuerst EU-Gebiet betraten, sagte Bundeskanzlerin Merkel.

Schweden: Schweden hat den höchsten Anteil von Asylbewerbern pro tausend Einwohner: 8,4. Die EU kommt insgesamt auf 1,2.

Asylsuchende können ein tägliches Taschengeld beantragen, während sie auf die Bearbeitung ihres Antrags warten. Es liegt bei 60 bis 225 Euro pro Monat für jeden Erwachsenen. Das hängt von der persönlichen familiären Situation ab, ob sie Single sind oder Teil einer größeren Familie sind. Minderjährige bekommen zwischen 36 und 159 Euro pro Monat.

Die Asylbewerber werden entweder in einem Aufnahmezentrum untergebracht oder kümmern sich selbst im ihre Unterbringung. In diesem Fall bekommen sie ein monatliches Taschengeld von 37 Euro für Singles und bis zu 89 Euro pro Familie.

Frankreich: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres registrierte Frankreich 37.919 Asylanträge. Die Zahlen gingen in letzter Zeit zurück. Das Land meldete 2014 einen Rückgang der Asylgesuche von fünf Prozent. Der Rest der EU verzeichnete einen Anstieg von 44 Prozent.

Es gibt zwei Arten der Unterstützung. Erwachsene, die nicht in einer Aufnahmeeinrichtung untergebracht sind, erhalten ein monatliches Taschengeld in Höhe von 340,50 Euro, während ihr Antrag geprüft wird.

Für die Asylbewerber, die in Auffangeinrichtungen wohnen, liegt die finanzielle Unterstützung zwischen 91 und 718 Euro. Das hängt von den Einrichtungen und der Familiensituation ab.

Die Asylbewerber erhalten eine Gesundheitsversorgung. Kinder zwischen sechs und 16 müssen zur Schule gehen.

Italien: Die Zahl der Asylanträge schnellte 2014 um 143 Prozent auf 64.625. Asylbewerber erhalten Lebensmittel, medizinische Hilfe, Italienischstunden und Rechtshilfe. Nach sechs Monaten bekommen sie eine Aufenthaltserlaubnis und dürfen bis zu einer endgültigen Entscheidung über ihren Status arbeiten.

Österreich: Die Zahl der Asylanträge stieg 2014 um 60 Prozent auf 28.035 an. Die Asylbewerber bekommen medizinische Hilfe. Es gibt zwei Arten der Unterstützung.

Bei einer Unterbringung in einem Aufnahmezentrum erhalten sie 40 Euro pro Monat. Bei einer unabhängigen Unterbringung bekommen sie mehr Geld, um Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Sie dürfen Saisonarbeit verrichten, zum Beispiel bei der Obsternte helfen. Die Asylanträge von Syrern werden schneller behandelt als die von anderen Nationalitäten.

Rumänien: Asylbewerber bekommen jeweils drei Lei (0,67 Euro) pro Tag für Lebensmittel und 1,8 Lei (0,40 Euro) für ihre Unterbringung. Weitere sechs Lei (1,35 Euro) gibt es für andere Ausgaben.

Sie profitieren auch von kostenloser medizinischer Erstversorgung und einer kostenlosen Notfallbehandlung im Krankenhaus. Das gilt auch für die Behandlung akuter oder chronischer Erkrankungen.