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17/01/2017

Flüchtlinge in Ungarn: Polizei räumt Budapester Bahnhof

EU-Innenpolitik

Flüchtlinge in Ungarn: Polizei räumt Budapester Bahnhof

Hunderte Flüchtlinge demonstrieren am Montag am Keleti-Bahnhof für eine Weiterreise nach Österreich und Deutschland. Foto: dpa

Mit Blick auf die wachsenden Zahl von Flüchtlingen hat Ungarns Polizei den wichtigsten Bahnhof der Hauptstadt Budapest geräumt. Bis auf weiteres werden keine Züge mehr im Keleti-Bahnhof ankommen oder abfahren. Alle Passagiere wurden zum Verlassen des Bahnhofsgebäudes aufgefordert.

Angesichts des Flüchtlingsandrangs auf Züge in Richtung Österreich und Deutschland hat die ungarische Polizei am Dienstag den wichtigsten Bahnhof der Hauptstadt Budapest geräumt. Bis auf weiteres würden keine Züge mehr im Keleti-Bahnhof ankommen oder abfahren, hieß es in einer Lautsprecherdurchsage. Alle Passagiere wurden zum Verlassen des Bahnhofsgebäudes aufgefordert, während hunderte Polizisten die Menschen nach draußen führten.

Die ungarische Polizei hatte am Montag überraschend die Kontrollen ausgesetzt und damit tausenden Flüchtlingen ermöglicht, in Zügen nach Westen zu gelangen. In Wien trafen allein am Montag nach Polizeiangaben 3650 Flüchtlinge per Zug aus Ungarn ein. Dies sei ein neuer Tagesrekord in diesem Jahr, sagte der österreichische Polizeisprecher Patrick Maierhofer am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Es werde noch geprüft, wie viele davon tatsächlich Asylbewerber seien. Laut der deutschen Bundespolizei trafen auch in Deutschland in den vergangenen 24 bis 30 Stunden bis zu 2200 Flüchtlinge aus Ungarn ein. Das waren deutlich mehr als sonst üblich.

Am Montag hatten die ungarischen Behörden rund 2000 vorwiegend syrische Flüchtlinge, die seit Tagen in Budapest in provisorischen Lagern auf die Weiterfahrt warteten, erlaubt, unkontrolliert in Züge nach Österreich und Deutschland zu steigen. Laut dem Dublin-System ist eigentlich dasjenige EU-Land für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Bearbeitung ihrer Asylanträge zuständig, in dem sie erstmals die Europäische Union betraten. Angesichts des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen lassen Italien, Griechenland und Ungarn die Migranten aber inzwischen oft unkontrolliert weiterreisen.