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07/12/2016

Finanzexperten: Referendum wird Großbritanniens EU-Status nicht klären

EU-Innenpolitik

Finanzexperten: Referendum wird Großbritanniens EU-Status nicht klären

Der Ausgang des Referendums birgt viele Unsicherheiten.

[David/Flickr], CC BY-SA 2.0

Sollten sich die Briten für einen Austritt aus der EU entscheiden, wäre dies keine endgültige Entscheidung. Das die Entscheidung später korrigiert werden könnte, denken Finanzexperten laut einer Umfrage des ZEW.

Eine Mehrheit der EU-Gegner im Referendum am 23. Juni 2016 bedeutet nicht zwangsläufig, dass Großbritannien die EU dauerhaft verlassen würde. Was für viele die logische Konsequenz eines erfolgreichen Referendums wäre, geben die befragten Finanzexperten nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 58,5 Prozent an.  Demzufolge existiert eine 40-prozentige Chance, dass die Entscheidung später korrigiert werden könnte. Für weitaus unwahrscheinlicher wird zudem ein Ausscheiden Großbritanniens aus dem Europäischen Binnenmarkt gehalten. Nur gut ein Drittel der Befragten geht davon aus. Zu diese Ergebnissen kommt eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 200 Finanzmarktexperten. „Auf Großbritannien käme mit einer Brexit-Mehrheit eine jahrelange Phase fundamentaler Unsicherheit über die Zukunft des Landes in Europa zu“, warnt Prof. Dr. Friedrich Heinemann vom ZEW.

Den Unwägbarkeiten eines Brexits für Großbritanniens Rolle in der EU stehen eindeutige konjunkturelle Effekte gegenüber. In den vergangenen zwei Jahren blieb die britische Wirtschaft im Vergleich zur Eurozone klar auf Kurs. Durch eine Mehrheit der Brexit-Befürworter würde jedoch die Rezessionsgefahr deutlich steigen: Das Risiko einer Rezession im Vereinigten Königreich wäre in den nächsten zwölf Monaten um knapp 45 Prozent erhöht, so die Teilnehmer der ZEW-Umfrage. „Hinter dem Brexit-Konjunkturpessimismus steckt die Erwartung, dass heimische und ausländische Investoren in großem Umfang Investitionspläne für den britischen Standort zurückstellen werden“, so Friedrich Heinemann.

Für Deutschland und die Eurozone sieht die Prognose weniger düster aus. Im Falle des Brexits würde sich die Rezessionsgefahr in beiden Wirtschaftsräumen nur geringfügig erhöhen, so die Finanzexperten.

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