EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

29/09/2016

EU-Bürger fürchten möglichen Brexit nicht

EU-Innenpolitik

EU-Bürger fürchten möglichen Brexit nicht

Einige britische Universitäten erwägen, als Reaktion auf das Brexit-Votum Ableger in EU-Staaten zu gründen.

[Ruth Geach/Flickr], CC BY-NC-ND 2.0

Der Ausgang des Referendums am 23. Juni über einen Verbleib in der EU wird nicht nur Auswirkungen auf Großbritannien haben. Das Ergebnis einer EU-weiten Umfrage zeigt, was EU-Bürger über die Gefahren eines Brexits denken.

Auf der Insel führt die Frage zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen, außerhalb Großbritanniens hingegen ist sie offenbar keine Option. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung, laut der sich 54 Prozent der EU-Bürger für einen Verbleib Großbritanniens in der EU aussprechen, während nur 21 Prozent ein Ausscheiden befürworten. Außerdem gehen zwei Drittel der Befragten davon aus, dass ein möglicher Brexit keine Auswirkungen auf ihr Heimatland haben würde.

Neben den EU-weiten Ergebnissen liefert die Umfrage auch konkrete Zahlen für die größten EU-Staaten. Demnach sind die Brexit-Gegner länderübergreifend in der Mehrzahl: In Polen und Spanien befürworten über 60 Prozent einen Verbleib Großbritanniens in der EU, während in Italien und Deutschland die knappe Mehrheit bei 55 beziehungsweise 54 Prozent liegt. Am ehesten könnten sich die Franzosen eine EU ohne ihre britischen Nachbarn vorstellen – 25 Prozent sprechen sich für den Brexit aus, 41 Prozent lehnen ihn ab.

Deutsche und Polen in Sorge

Noch eines wird deutlich: Die möglichen Auswirkungen eines Brexits auf die EU und ihre Mitgliedsstaaten verunsichern die EU-Bürger. Obwohl sie befürchten, dass die EU selbst geschwächt würde, erwarten viele EU-Bürger keine negativen Konsequenzen für ihr Heimatland. 45 Prozent rechnen einerseits mit einer Schwächung der EU, während andererseits eine gleiche Zahl von EU-Bürgern keine Veränderungen erwartet. In Polen und Deutschland sind die Sorgen vor einem Brexit am größten: 51 Prozent der Polen und 48 Prozent der Deutschen sind besorgt über mögliche Auswirkungen, während die befragten Franzosen, Spanier und Italien keine negativen Folgen für die EU befürchten.

Nach den Konsequenzen für ihre Heimatländer befragt, zeigen die Umfrage-Teilnehmer eine klare Tendenz. Außerhalb Großbritanniens erwarten zwei Drittel der EU-Bürger (67 Prozent), dass ein Brexit ohne Auswirkungen auf ihr Land bliebe. Diese Haltung zeigt sich vor allem in den größeren EU-Mitgliedsstaaten: Deutschland (63 Prozent), Frankreich (68 Prozent), Italien (68 Prozent), Polen (63 Prozent) und Spanien (71 Prozent). “Obwohl viele Bürger mit ihren alltäglichen Sorgen mehr beschäftigt sind als mit den Ergebnissen aus London, würden alle Europäer verlieren, sollte Großbritannien die EU verlassen“, so Aart de Geus, Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

EU bleibt weiterhin attraktiv

Obwohl die Zustimmung für die EU sinkt, befürwortet immer noch eine Mehrheit der EU-Bürger eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Im Falle eines möglichen Referendums in ihrem Land überwiegen in der Umfrage die EU-Befürworter: In Spanien (74 Prozent), Polen (66 Prozent) und Deutschland (62 Prozent) ist die Unterstützung für die EU deutlich, während EU-Skeptiker in Frankreich und Italien die höchsten Zustimmungswerte erreichen. Mit 52 Prozent liegen die französischen EU-Befürworter nur knapp vor denjenigen, die für einen Austritt stimmen würden. Auch in Italien sind die beiden Lager nahezu auf Augenhöhe (54 zu 46 Prozent).