Erneut Erdbeben in Mittelitalien

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Schon im August 2016 sorgte ein Erdbeben für schwere Verwüstung in dem italienischen Bergort Amatrice. [Antonio Nardelli/Shutterstock]

Drei Erdbeben mit einer Stärke zwischen 5,3 und 5,7 erschütterten am heutigen Morgen Mittelitalien. Die Schäden sind noch ungewiss.

Ihre Epizentren lagen in derselben Region, in der bei einem schweren Beben im vergangenen Sommer fast 300 Menschen getötet worden waren. Die Erschütterungen waren noch in der rund hundert Kilometer entfernten Hauptstadt Rom zu spüren. Dort wurden etliche Schulen und das Außenministerium sicherheitshalber geräumt und der U-Bahn-Betrieb unterbrochen.

Das erste Erdbeben, dessen Stärke das Erdbebenzentrum EMSC mit 5,3 angab, ereignete sich um 10.25 Uhr (MEZ). Rund 50 Minuten später folgte ein zweites Beben der Stärke 5,7, um 11.25 Uhr ein drittes mit der Stärke 5,5. Die Erschütterungen waren in den Abruzzen sowie in den Regionen Marken und Latium mit der Hauptstadt Rom zu spüren.

Berichte über Schäden lagen am Mittwoch aber zunächst nicht vor. In der Stadt Aquila, in der bei einem Beben im Jahr 2009 mehr als 300 Menschen starben, rannten die Menschen in Panik auf die Straßen.

Die Rettungsdienste überflogen die Unglücksregion mit Hubschraubern, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die von den Erdbeben betroffene Region lag zu großen Teilen unter einer dichten Schneedecke. Schon wegen des Schnees waren in etlichen Städten und Dörfern die Schulen geschlossen geblieben.

„Keine Ahnung, was wir Schlimmes getan haben“, sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi. „Erst anderthalb bis zwei Meter Schnee – und jetzt auch noch Erdbeben! Was soll ich dazu sagen? Ich bin sprachlos.“

Der kleine Bergort war bereits beim ersten schweren Beben im August fast völlig zerstört worden, bis heute hat er sich davon noch nicht erholt. Unter der Last des Schnees war bereits am Dienstag ein Behelfskrankenhaus aus aufblasbaren Modulen eingestürzt.

„Die Lage ist dramatisch“, sagte auch der Bürgermeister von Accumoli, Stefano Petrucci. Wegen des Schnees sei der Straßenverkehr blockiert, es fehle an Räumfahrzeugen. „Wir können nicht mit Pfeil und Bogen dagegen ankämpfen!“

Das Auswärtige Amt riet am Mittwoch in seinen Reisehinweisen, die von den Beben unmittelbar betroffenen Gebiete nach Möglichkeit zu meiden und die Hinweise und Empfehlungen der Behörden vor Ort zu beachten. Es müsse mit Beeinträchtigungen sowie weiteren Erdstößen gerechnet werden.

Bei dem Erdbeben in der Nähe von Amatrice waren im August 2016 fast 300 Menschen ums Leben gekommen. Ende Oktober wurden dann mehrere Orte etwa 60 Kilometer weiter nördlich von zwei weiteren schweren Beben erschüttert. Das zweite hatte eine Stärke von 6,5 und war damit das stärkste in Italien seit 36 Jahren. Tausende Menschen wurden obdachlos.

In Italien treffen die eurasische und die afrikanische tektonische Platte aufeinander, wodurch das Erdbebenrisiko besonders groß ist. Noch verheerender war ein Beben aus dem Jahr 1908, das Tsunami-Flutwellen auslöste. Das bislang schwerste Beben der jüngeren Geschichte ereignete sich 1980 in der Nähe von Neapel, 3000 Menschen starben. Noch verheerender war ein Beben aus dem Jahr 1908, das Tsunami-Flutwellen auslöste. Damals gab es in Süditalien und Sizilien rund 95.000 Tote.