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04/12/2016

EASO-Bericht: Deutschland beliebtestes Migrationsziel im Jahr 2015

EU-Innenpolitik

EASO-Bericht: Deutschland beliebtestes Migrationsziel im Jahr 2015

Etwa 50 Prozent aller Anträge auf internationalen Schutz gingen 2015 in Deutschland ein.

[Metropolico.org CC BY-SA 2.0/Flickr]

Deutschland empfing 2015 die meisten Anträge auf internationalen Schutz, zeigt ein aktueller Jahresbericht des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO). EurActiv Brüssel berichtet.

Am 8. Juli veröffentlichte das EASO seinen 141-seitigen Jahresbericht für 2015. Darin bietet es eine Übersicht über die Flüchtlingssituation in den EU-Staaten sowie in Norwegen und der Schweiz (EU+). Hierfür untersuchte das Unterstützungsbüro die in der EU eingegangenen Anträge auf internationalen Schutz. Es analysierte Bewerbungs- und Auswahldaten und legte dabei den Schwerpunkt auf die wichtigsten Herkunftsländer.

Der Bericht enthält unter anderem einen Graphen, der die monatliche Entwicklung der Bewerberzahlen für internationalen Schutz darstellt und mit den Werten der vorigen Jahre vergleicht.

EASO-evolution-of-applicantsEnde 2014 begann die Zahl der Anträge zu steigen. 2015 über wuchs diese ebenfalls fast durchgängig. Im März und April gab es einen leichten Rückgang, bevor ab Mai schließlich ein exponentielles Wachstum zu beobachten war, das sich ein halbes Jahr lang. Den höchsten Stand erreichten die Werte im Oktober 2015 mit mehr als 185.000 Anträgen in einem Monat. Im November und Dezember sanken die Bewerberzahlen wieder, was jedoch gegen Jahresende normal ist. Insgesamt blieben die Dezemberwerte mit 115.000 Anträgen im Vergleich zu den Vorjahren relativ hoch.

Das bei Weitem beliebteste Zielland der Schutzsuchenden war Deutschland. Dort ging 2015 etwa die Hälfte aller Anträge ein. EurActiv fragte einen Vertreter des EASO, wie dieser Graph vor dem Hintergrund der damaligen Äußerungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verstehen sei. „Wir schaffen das“, hatte sie bei einer Pressekonferenz am 31. August 2015 betont – ein Satz, der rasch zum Slogan der neuen Willkommenskultur wurde. Den Journalisten stehe es frei, die Ergebnisse des Berichts frei zu interpretieren, so EASO-Sprecher Jean-Pierre Schembri.

Noch folgenschwerer jedoch als Merkels Worte war womöglich der Tweed des Bundesinnenministeriums und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vom 25. August 2015:

Dieser Eintrag ging um die ganze Welt. Zahlreiche Menschen sahen die Nachricht als Einladung, in Deutschland einen Flüchtlingsstatus zu beantragen.

Auch für 2016 stellten die EASO-Experten personenbezogene Daten zur Verfügung. Diese legen nahe, dass die Antragszahlen für internationalen Schutz seit 2015 innerhalb der EU+ zurück gehen. Dennoch liegen sie um ein Vielfaches höher als noch 2013 oder 2014.