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26/07/2016

Diabetesforscher: Neue EU-Marktregelung für Zucker könnte Diabetes fördern

EU-Innenpolitik

Diabetesforscher: Neue EU-Marktregelung für Zucker könnte Diabetes fördern

Forscher warnen vor den gesundheitlichen Schäden, die durch den Verzehr von "corn syrup", Maissirup, entstehen können. Foto: Steven Vance (CC BY-NC-SA 2.0)

Die EU plant für 2017 eine Öffnung des europäischen Zuckermarktes. Das könnte zu einer drastischen Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes führen, warnt ein Forscher. EurActiv Brüssel berichtet.

Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt ist in den USA weit verbreitet. Er ist billiger und süßer als Rüben- und Rohrzucker und kann besser verarbeitet werden. Wegen der Quoten war der Gebrauch dieses Sirups in der EU bisher begrenzt.

“Die Verwendung ist schlecht. Es ist bekannt, dass es seit der Einführung von Maissirup zu einer wahren Fettleibigkeits-Epidemie in den USA führte. Wir haben das mit Ratten getestet, und diese Art von Zucker erhöht das Risiko für Fettlebererkrankungen und Diabetes”, sagte Per Bendix Jeppesen, Fettleibigkeits- und Diabetesforscher an der Universität Århus gegenüber dem Dänischen Radiosender DR.

Der Forscher geht von einer zukünftigen Nutzung des Maissirups auch in Europas Lebensmittelproduktion aus. “Warum sollten sie darauf verzichten? Maissirup ist schließlich billiger und einfacher”, sagte er.

Dem Wissenschaftler zufolge ist Maissirup aufgrund seiner Zusammensetzung problematisch. Denn der Sirup besteht hauptsächlich aus der besonders gefährlichen Fructose (Monosacchariden), die in dem Produkt bereits abgebaut ist deshalb direkt ins Blut geht. Maissirup wird zwar bislang nur sehr begrenzt in Kuchen und Gebäck verwendet, kann aber dennoch sehr gefährlich werden. Dann nämlich, wenn er für Getränke genutzt wird, und somit über die Flüssigkeit in großen Mengen verzehrt wird, so der Forscher.

Die Gemeinsame Marktorganisation der EU im Zuckersektor wird 2017 die Produktionsquoten pro Land beenden. Das gilt auch für die Marktpreisstütze. Momentan ermöglicht sie den europäischen Produzenten, ihren unverkauften Bestand zu einem Minimalpreis zu verkaufen. Die EU garantiert diesen Preis.  

Das derzeitige System wurde bereits 2006 in Frage gestellt. Mehrere Zucker produzierende Länder warfen der EU Preis-Dumping vor. Daraufhin beschränkte die Welthandelsorganisation (WTO) die europäischen Zuckerausfuhren. Die EU kündigte für 2015 eine Reform der Zuckerindustrie an, um diese Beschränkungen aufzuheben. Diese wurde aber bis 2017 zurückgestellt.

Der Dänische Diabetesverband forderte die EU dazu auf, bei Zuckerquoten den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Man müsse sehr genaue Forschungen anstellen, bevor man Maissirup zulasse.

Bis jetzt habe sie von Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt nichts gewusst, sagte die sozialdemokratische Europaabgeordnete Christel Schaldemose, die auch Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) ist. “Wenn der Forscher recht hat, dann ist das sehr besorgniserregend. Das Letzte, was die EU braucht, sind mehr Diabetiker”, sagte die Abgeordnete. Sie werde die Kommission befragen und prüfen, ob diese genügend über den Sirup informiert sei und sich damit beschäftigt habe, wie mit diesem Produkt umzugangen werden sollte.

EurActiv bemühte sich auch um eine Stellungnahme von FoodDrinkEurope (FDE). Der größte EU-Dachverband der Lebensmittelindustrie wollte sich zu diesem Thema aber nicht äußern.

Zeitstrahl

  • 2017: Reform des Zuckermarktes 

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