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25/08/2016

Deutschland beliebtestes Einwanderungsland nach den USA

EU-Innenpolitik

Deutschland beliebtestes Einwanderungsland nach den USA

Refugees arrive at Lampedusa.

[Noborder Network/Flickr]

Immer weniger Menschen lassen sich dauerhaft in der EU nieder. Nur in Deutschland explodieren die Zahlen. Ein wesentlicher Grund dafür: die Euro-Krise.

In keinem anderen westlichen Industrieland stieg die dauerhafte Zuwanderung so stark an wie in Deutschland. Laut aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren es 2013 rund 465.000 Neuankömmlinge – mehr als doppelt so viel wie 2007. Damit ist Deutschland das zweitbeliebteste Zielland hinter den USA.

In Europa gingen die Zuzüge aus so genannten Drittstaaten, also Ländern außerhalb der EU, auf rund 950.000 zurück. Zugleich stieg die Binnenmigration innerhalb der EU erheblich an. Über ein Drittel der neuen Migranten in Deutschland kamen 2012 aus EU-Ländern – 2007 war es nicht einmal jeder Zehnte. Laut OECD hat der Anstieg seine Gründe in den EU-Erweiterungen 2004 und 2007 sowie in der Freizügigkeit.

Wegen der Wirtschaftskrise hätten sich vermehrt Menschen aus den krisengeschüttelten Staaten in Südeuropa auf den Weg in wirtschaftlich erfolgreiche EU-Länder wie Deutschland gemacht. “Bis zu einem Viertel des asymmetrischen Arbeitsmarktschocks – der zu verschiedenen Zeitpunkten mit unterschiedlicher Intensität in den einzelnen EU-Ländern eintrat – ist innerhalb eines Jahres durch Migration absorbiert worden”, heißt es in der Studie.

Auch bei den Asylbewerberzahlen verzeichnet Deutschland einen kräftigen Anstieg. Jeder fünfte der insgesamt 555.000 Asylbewerber in den OECD-Staaten stellte den Antrag 2013 in Deutschland. 110.000 Erstanträgen in Deutschland standen 68.000 Anträge in den USA und 60.000 in Frankreich gegenüber. Die Top-Herkunftsländer sind Russland, Serbien und der Kosovo sowie das Bürgerkriegsland Syrien.

Auf den Anstieg der dauerhaften Zuwanderung hatten die Asylsuchenden jedoch kaum Einfluss. Nur eine Minderheit der Antragssteller erhält einen dauerhaften Status in Deutschland. Zudem waren viele der 2013 eröffneten Asylverfahren noch nicht innerhalb des gleichen Jahres abgeschlossen.

http://www.compareyourcountry.org/migration?cr=deu&lg=de&page=0

Die OECD lobt Deutschland für ihre Beschäftigungspolitik: Die Job-Quote von Migranten ist laut Bericht seit 2007 um fünf Punkte auf 68 Prozent gestiegen – der stärkste Anstieg innerhalb der OECD. “Deutschland konnte in den vergangenen Jahren viele Lehren aus der Arbeitsmarktintegration von Migranten ziehen”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Niedrigqualifizierte Migranten haben in Deutschland sogar eine höhere Beschäftigungsquote als in Deutschland geborene Personen mit gleichem Bildungsstand. Nachholbedarf gibt es jedoch bei den hochqualifizierten Migranten. Nur etwas mehr als die Hälfte gehen einem Beruf nach, der ihrem Ausbildungsniveau entspricht – der Rest ist entweder nicht in Beschäftigung oder in einem niedriger qualifizierten Beruf.  

Um die Integration von hochqualifizierten Migranten in den Arbeitsmarkt zu verbessern empfiehlt die OECD verstärkte Anstrengungen bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Zwar habe insbesondere Deutschland hier bereits erhebliche Fortschritte gemacht. Wichtig sei es jedoch, Anerkennungsverfahren mit Nachqualifizierung und berufsbezogener Sprachförderung zu verknüpfen.

Problematisch für Deutschland ist laut Bericht vor allem der hohe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Deutsch nur schlecht lesen und schreiben können. Das betreffe mehr als ein Drittel der im Ausland Geborenen – in keinem Land der OECD ist dieser Wert höher.

Am Montag berieten auf dem 7. Integrationsgipfel im Kanzleramt Vertreter von Politik, Wirtschaft und Behörden über Möglichkeiten, die Ausbildungschancen von jungen Leuten mit ausländischen Wurzeln zu verbessern. Künftig soll nicht nur die Berufsberatung verbessert werden, sondern auch eine “assistierte Ausbildung” eingeführt werden, heißt es in der Abschlusserklärung. Geplant seien 10.000 Ausbildungsplätze mit individueller Betreuung. Finanziert werden soll dies von der Bundesagentur für Arbeit (BA), dem Bund und dem Europäischen Sozialfonds.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière empfängt am heutigen Dienstag den EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos in Berlin. Bei ihrem Treffen wird es auch um eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen und um den Kampf gegen “illegale” Einwanderung gehen.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs diskutieren, Asylverfahren in nordafrikanischen Staaten im Auftrag der EU durchzuführen. Darüber und über die Frage, wie die Flüchtlingsaufnahme in Europa aussehen soll, beraten voraussichtlich die EU-Innenminister Ende dieser Woche.

Weitere Informationen

OECD: Internationaler Migrationsausblick 2014 (1. Dezember 2014)