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29/09/2016

Deutsche machen die meisten Überstunden

EU-Innenpolitik

Deutsche machen die meisten Überstunden

Foto: Alexander (CC BY 2.0)

Im Vergleich zu ihren Kollegen in der Euro-Zone machen deutsche Arbeitnehmer die meisten Überstunden. Etwa 60 Prozent davon werden nicht einmal bezahlt.

„In keinem Land der Euro-Zone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland“, sagte EU-Sozialkommissar Laszlo Andor der „Welt“. Laut EU-Studie liegt die tatsächlich vereinbarte Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 37,7 Stunden. Tatsächlich arbeiteten die Beschäftigten aber 40,4 Stunden in der Woche.

Andor verweist darauf, dass jedes Land bei der Arbeitszeit seine Eigenheiten hat. „Wichtig ist am Ende, dass das Land wettbewerbsfähig ist und dass die Vorgaben der EU-Arbeitszeitrichtlinie eingehalten werden.“ Das sei in Deutschland im Allgemeinen der Fall.

Die Zeitung berichtet weiter, dass neuesten Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit zufolge jeder Erwerbstätige in Deutschland im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.645 Stunden arbeitete.  

Die Zahl der Überstunden pro Arbeitnehmer lag im Jahr 2013 bei insgesamt 47,3. Davon wurden nur 20,0 Überstunden bezahlt, die meisten Überstunden (27,2) wurden weder mit Geld noch mit Freizeitausgleich vergütet – sie wurden umsonst geleistet.

„Im Trend gehen Überstunden aber zurück, da es immer mehr Arbeitszeitkonten gibt“, sagte Holger Schäfer, Experte des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Anfang der 1990er Jahre waren es jährlich etwa 20 Überstunden mehr pro Kopf.“ Prinzipiell sei Mehrarbeit für Firmen ein teures, aber flexibles Instrument, um große Nachfrage abzufedern. Leute kurzfristig einzustellen und schnell wieder zu entlassen entspreche nicht der deutschen Unternehmenskultur und sei durch den strikten Kündigungsschutz auch kaum möglich. „In anderen Ländern wird das etwa durch hire und fire gelöst“, betonte Schäfer.

Arbeit in Deutschland hat sich im zweiten Quartal so stark verteuert wie seit gut einem Jahr nicht mehr.
Die Arbeitskosten stiegen zwischen April und Juni um 1,7 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Grund für den Anstieg der Arbeitskosten im Frühjahr war, dass sowohl die Bruttoverdienste mit 1,6 Prozent als auch die Lohnnebenkosten mit 2,3 Prozent so deutlich wuchsen wie seit Anfang 2013 nicht mehr. Allerdings hatten die Arbeitgeber zuvor vom milden Winter profitiert.

Anfang 2014 waren die Arbeitskosten nur um 0,5 Prozent geklettert und damit so gering wie seit Ende des Rezessionsjahres 2009 nicht mehr. Denn wegen des warmen Winters hatten sich die Beschäftigten deutlich weniger krankgemeldet. In der Folge sanken die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall kräftig und damit auch die Lohnnebenkosten.

In der Euro-Zone und in der EU verteuerte sich die Arbeit im ersten Quartal binnen Jahresfrist mit 0,9 beziehungsweise 1,2 Prozent stärker als in Deutschland. Das größte Plus gab es in Lettland (+7,0 Prozent), Estland (+6,8 Prozent) und Rumänien (+5,3 Prozent). Rückläufig waren die Arbeitskosten in Zypern (–6,9 Prozent), Kroatien (–1,7 Prozent), Irland (–0,2 Prozent) und Italien (–0,1 Prozent). In Frankreich, wo die Wirtschaft nach Ansicht von Ökonomen unter mangelnden Strukturreformen leidet, stiegen die Kosten mit 1,2 Prozent stärker als in Deutschland.