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08/12/2016

Der Run auf Camerons Posten

EU-Innenpolitik

Der Run auf Camerons Posten

Grund für den Verzicht auf die Ratspräsidentschaft ist das Brexit-Votum.

Foto: Shutterstock/Twocoms

Die britische Innenministerin Theresa May bewirbt sich um die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron.

Die 59-jährige Konservative kündigte ihre Bewerbung in einem Brief an die Zeitung „The Times“ an, der in der Nacht zu Donnerstag veröffentlicht wurde. May hatte im Vorfeld des Brexit-Referendums für einen Verbleib Großbritanniens in der EU geworben, in der Kampagne aber keine prominente Rolle gespielt. Sie gilt als ausgleichende Figur in der zerstrittenen Partei.

Als Regierungschefin und Vorsitzende der konservativen Tory-Partei sähe sie ihre „Mission“ darin, „Großbritannien zu einem Land zu machen, das für jeden funktioniert“, schrieb May, die seit 2010 das Innenressort leitet. Einen Schwerpunkt sehe sie dabei in der Sozialpolitik: „Wenn man aus einer ganz normalen Arbeiterfamilie kommt, ist das Leben schwieriger, als viele Politiker sich das vorstellen können.“

Mays potenziell stärkster Gegenkandidat dürfte der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson sein, der sich als Wortführer des siegreichen Brexit-Lagers profiliert hatte und damit zu einer polarisierenden Figur in der britischen Politik wurde. Johnson erklärte bislang noch nicht seine Kandidatur. Die parteiinterne Bewerbungsfrist läuft am Donnerstag (13.00 Uhr
MESZ) aus.

Vor May hatte zunächst nur der wenig bekannte Rentenminister Stephen Crabb seinen Hut in den Ring geworfen. Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt erwägt eine Kandidatur. Wenn es mehr als zwei Kandidaten gibt, wird das Bewerberfeld kommende Woche per Abstimmung der Tory-Abgeordneten verkleinert. Dabei gelten Johnson und May als Favoriten.

Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die rund 150.000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen. Das Ergebnis wird für den 9. September erwartet, kurz darauf soll der neue Regierungschef oder die neue Regierungschefin das Amt an der Regierungsspitze übernehmen.