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20/01/2017

Corsepius wird Merkels neuer Europa-Berater

EU-Innenpolitik

Corsepius wird Merkels neuer Europa-Berater

Uwe Corsepius war vier Jahre lang Generalsekretär des EU-Rats und damit eine der Schlüsselfiguren in Brüssel.

[EC]

Uwe Corsepius wird neuer Europa-Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter auszuwechseln, dürfte Merkel nicht allzu schwer fallen: Denn der Neue ist quasi der Alte.

Er war dabei, wenn sich die rund 30 Staats- und Regierungschefs zum Familienfoto beim EU-Gipfel aufstellten. Er war aber auch dabei, wenn in kleinstem europäischen Kreis über die Griechenland-Rettung verhandelt wurde: Uwe Corsepius. Der 54-Jährige war vier Jahre lang Generalsekretär des EU-Rats und damit eine der Schlüsselfiguren in Brüssel.

Der breiten Öffentlichkeit ist Corsepius nicht bekannt, aber sein Einfluss hinter den Kulissen ist groß. Das wird auch künftig so sein: Ab Mittwoch ist Corsepius europapolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter auszuwechseln, dürfte Merkel nur deswegen nicht allzu schwer fallen, weil der Neue quasi der Alte ist. Bereits von 2006 bis 2011 war der promovierte Volkswirt Corsepius ihr Mann für Europa. Danach diente er ihr noch für ein paar Monate als wirtschaftspolitischer Berater und persönlicher Beauftragter für den damals noch im G8-Format stattfindenden Gipfel im französischen Deauville.

Danach saß der Familienvater mit der schlaksigen Figur vier Jahre lang an einer der Schaltstellen in Brüssel: In der Hand von Corsepius liefen die Fäden der EU-Mitgliedstaaten zusammen, die in den vergangenen Krisenjahren ihre Brüsseler Macht noch ausgebaut haben. Er bereitete die Gipfeltreffen vor, vermittelte Kompromisse und dirigierte mehrere hundert EU-Beamte.

Corsepius gilt als kluger Diplomat, dem es auch nicht an Durchsetzungsfähigkeit fehlt. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 setzte er sich – damals als Merkels Berater – unermüdlich und letztlich erfolgreich für die Rettung des EU-Vertrags ein.

Der hochgewachsene Corsepius blickt auf eine lange Karriere im Bundeskanzleramt zurück. Noch unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) tauschte er seinen Stuhl im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gegen einen Posten in der Machtzentrale. Nach einem zweijährigen Zwischenspiel beim Internationalen Währungsfonds (IWF) kehrte Corsepius 1994 ins Bundeskanzleramt zurück, wo er auch unter Gerhard Schröder weiter aufstieg und schließlich von Merkel zum Leiter der Abteilung Europapolitik ernannt wurde.

Seine diplomatischen Erfahrungen, sein Wissen über die Befindlichkeiten in den 28 Mitgliedstaaten und nicht zuletzt sein Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften dürften Corsepius auch in seinem neuen, alten Job zugute kommen.

Die vergangenen Jahre hieß Merkels Europa-Berater Nikolaus Meyer-Landrut. Dieser wechselt nun – nach Jahren des intensiven Krisenmanagements insbesondere in Sachen Griechenland und Ukraine – auf den Posten des deutschen Botschafters nach Paris.