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29/09/2016

Britische Bauern fürchten einen Brexit

EU-Innenpolitik

Britische Bauern fürchten einen Brexit

Britische Bauern fürchten um ihr Einkommen.

Foto: Farmers for Action

Im Schnitt bekommt jeder Landwirt 34.000 Euro pro Jahr aus Brüssel. Grund genug, dass britische Bauern mit Bangen aufs EU-Referendum blicken.

Landwirt Toby Bulgin schaut mit sorgenvoller Miene auf seine sonnenbeschienenen Felder bei Thetford in Ostengland. In rund zehn Wochen stimmen seine Landsleute über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ab – und Bulgin fürchtet den Brexit. „Jetzt bekommen wir unsere Direktzahlung aus Brüssel. Die wird, wenn wir die EU verlassen, wohl
wegfallen.“ Und die britische Regierung werde dann „für die Landwirtschaft
sehr, sehr schlechte Handelsabkommen abschließen“, fürchtet der Bauer.

Nicht, dass Bulgin ein glühender Anhänger der Europäischen Union wäre. „Ich bin britisch, ich bin englisch. Mein Herz sagt: Raus aus der EU. Aber mein Verstand sagt mir: Wir müssen drin bleiben.“

Die britischen Landwirte werden stark subventioniert. Ein Bauer im Königreich bekommt im Schnitt 27.000 Pfund (34.000 Euro) pro Jahr aus den Programmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik, wie das Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) ausgerechnet hat. Das ist das Jahresgehalt eines Junglehrers. Was ein möglicher Brexit für die britsichen Landwirte bedeuten könnte, hat das IEEP in seinem Bericht über die Konsequenzen für Politik und Umwelt bei einem EU-Austritt Großbritanniens zusammengefasst.

Auch Bauer Bulgin bezieht 30 bis 40 Prozent seines Einkommens aus Brüssel; bei manchen seiner Kollegen sind es sogar bis zu 50 Prozent. Bulgin bekommt zum Beispiel eine Greening-Prämie dafür, dass er manche seiner Felder in Norfolk überfluten lässt, um Stelzvögeln einen Lebensraum zu bieten – und seine Schafe anderswo grasen lässt.

„Wenn wir keine Subventionen mehr bekommen, der Rest von Europa aber wohl, dann wird es hier bald keine Bauern mehr geben“, ist Bulgins düstere Zukunftsvision.

Landwirtschaftsminister George Eustice sieht das anders – er ist nämlich für einen Austritt aus der EU. „Die Regierung wird den Bauern und der Umwelt genauso viel zahlen, wie sie jetzt bekommen“, sagt er. „Vielleicht sogar mehr.“

Das derzeitige Einkommen ist allerdings auch nicht gerade üppig. Wie im übrigen Europa gingen auch in Großbritannien die Bauern schon auf die Straße, um wegen der derzeit niedrigen Preise zu protestieren. Kürzlich zogen sie mit Kühen und Schafen durch die Hauptstadt London.

„Wir verdienen nur noch die Hälfte dessen, was wir vor zwei Jahren bekamen“, sagt Yulita Parkes von der Gruppe Farmers for Action, die den Protest organisiert hatte. „Egal, wie wir uns anstrengen, die Supermärkte und Lebensmittelhersteller drücken die Preise.“ Bei den Farmers for Action sind nicht alle gegen den Austritt aus der EU. Die beiden Lager halten sich in etwa die Waage, berichtet Parkes.

Doch beim Referendum am 23. Juni werden die meisten Bauern ihrem Herzen zu schweigen befehlen und dem Verstand den Vortritt lassen, ist Allan Buckwell vom IEEP überzeugt. „Die Hühner wählen nicht den Fuchs. Die wissen ja, von wem die Überweisung am Ende des Monats kommt.“

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