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30/09/2016

Brexit: Englisch bleibt EU-Amtssprache

EU-Innenpolitik

Brexit: Englisch bleibt EU-Amtssprache

EU-Dolmetscher greifen häufig auf die englische Übersetzung zurück, wenn die Ausgangssprache sehr selten ist.

[IAEA CC BY-SA 2.0/Flickr]

Englisch ist und bleibt offizielle Amtssprache der EU, auch wenn Großbritannien die EU verlässt. Das bestätigt die Kommissionsvertretung in Irland. EurActiv Brüssel berichtet.

Englisch werde nach dem Brexit nicht länger EU-Amtssprache sein, hatte die EU-Abgeordnete Danuta Hübner (Europäische Volkspartei, EVP) noch zu Beginn dieser Woche gewarnt. Jedes Mitgliedsland stehe für eine Amtssprache und Großbritannien sei nun mal das einzige Land, dass Englisch als solche qualifiziere, so die Vorsitzende des Ausschusses für konstitutionelle Fragen des EU-Parlaments (AFCO).

Jetzt meldet sich jedoch die Kommissionsvertretung in Irland zu Wort. Am gestrigen Dienstag veröffentlichte sie eine offizielle Erklärung, in der sie den Aussagen der EVP-Abgeordneten widerspricht. Der Ministerrat müsse einstimmig über Änderungen des Sprachregimes an den Institutionen abstimmen. Dabei verwies die Vertretung auf Artikel 342 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Darin heißt es: „Die Regelung der Sprachenfrage für die Organe der Union wird unbeschadet der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union vom Rat einstimmig durch Verordnungen getroffen.“

Natürlich ist Großbritannien nicht das einzige EU-Land, in dem Englisch als Amtssprache gilt. Hierzu zählen auch Irland und Malta.

Englisch ist die dominanteste der drei großen EU-Arbeitssprachen (Französisch und Deutsch). Grund hierfür sind wohl auch die verschiedenen Erweiterungen der Union. Die meisten jüngeren Mitgliedsländer nutzen Englisch als Zweitsprache, welche daher zwischen den 24 EU-Amtssprachen oft als natürliche Relaissprache dient. Das heißt, dass die englische Übersetzung beziehungsweise Verdolmetschung aus einer anderen Sprache als Grundlage für weitere Übersetzungen genutzt wird.

Änderungen im EU-Sprachregime könnten sehr teuer werden. Immerhin machen die Übersetzungen ein Prozent des EU-Jahreshaushalts aus. Eine neue Sprache hinzuzufügen oder Sprachenkombinationen zu ändern, würde viel Zusatzpersonal erfordern. Außerdem bräuchte die Organisation dieser Reformen viel Zeit und Geduld.