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09/12/2016

Bayern: Attentäter von Ansbach war laut Herrmann von außen gesteuert

EU-Innenpolitik

Bayern: Attentäter von Ansbach war laut Herrmann von außen gesteuert

Der mutmaßlich islamistische Attentäter von Ansbach ist nach Erkenntnissen der Ermittler über ein Handy von außen gesteuert worden.

Foto: Johan Larsson/Flickr (CC BY 2.0)

Der mutmaßlich islamistische Attentäter von Ansbach ist nach Erkenntnissen der Ermittler über ein Handy von außen gesteuert worden.

„Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch in Gmund am Tegernsee. Laut einem IS-nahen Magazin hatte der Syrer eine lange dschihadistische Vergangenheit.

Herrmann verwies auf Auswertungen eines Handychats des Attentäters mit der noch unbekannten Kontaktperson. Bisher sei unklar, wie lange der Kontakt bestanden habe. Der Chat endete demnach erst unmittelbar vor dem Attentat. Als weiteres Indiz für Hintermänner zu der Explosion wertete Herrmann die bei dem Flüchtling gefundenen Geldbeträge. Es sei „unwahrscheinlich“, dass er dieses Geld allein durch seine Zuwendungen als Flüchtling habe sammeln können.

Die Bundesanwaltschaft, die inzwischen die Ermittlungen in dem Fall leitet, wollte sich nicht zu den Angaben äußern. Der 27-jährige Flüchtling aus Syrien war am Sonntagabend in der mittelfränkischen Stadt vor einem Lokal bei der Explosion einer Bombe getötet worden, die er bei sich trug. 15 Menschen wurden verletzt. Zuvor war ihm der Zutritt zu einem Konzert verweigert worden, weil er keine Eintrittskarte hatte. In einem Video bekannte sich der Mann zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der Mann hatte bereits Ende 2014 einen Abschiebebescheid erhalten. Er sollte nach Bulgarien zurückkehren, wo er in die Europäische Union eingereist sein soll. Anfang 2015 wurde der Bescheid aber außer Kraft gesetzt, der Flüchtling wurde daraufhin geduldet. Mitte Juli erhielt er eine neue Abschiebeandrohung, wenige Tage später sprengte er sich in die Luft.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, es gebe Hinweise, dass der Mann vom IS aus Bulgarien „gezielt nach Deutschland geschickt worden“ sei. Demnach sagte er seinen Therapeuten, dass er in Bulgarien zunächst zwei Monate im Gefängnis saß, mit Stöcken geschlagen und dann mittellos auf die Straße gesetzt worden sei.

Dann aber habe sich sein Schicksal gewendet, schrieb die „SZ“. „Zu meinem Glück fand ich einen Syrer, der mir einen Flug nach Österreich spendierte“, wurde er zitiert. Die Zeitung wertete dies als „mysteriösen Glücksfall, denn kaum ein Syrer in Bulgarien hat das Geld, um einem anderen einen Flug zu zahlen“. In Deutschland sei er in Psychotherapie gewesen, schrieb das Blatt weiter.

Das IS-nahe Magazin „al-Nabaa“ berichtete, der Mann aus dem nordsyrischen Aleppo habe sich „sehr früh“ dschihadistischen Bewegungen angenähert. Unter anderem kämpfte er demnach in den Reihen des Islamischen Staats im Irak und der Al-Nusra-Front in Syrien.

In Aleppo wurde der Syrer dem Bericht zufolge verletzt, weshalb er das Land verließ, um sich in Europa behandeln zu lassen. Aber auch aus dem Ausland habe der Mann die Aktivitäten der späteren IS-Miliz aufmerksam verfolgt. Dem Aufruf von IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi folgend habe er begonnen, akribisch einen großen Anschlag in Deutschland vorzubereiten.

In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte US-Präsident Barack Obama seine Anteilnahme wegen der jüngsten Gewalttaten in Deutschland aus. Beide hätten betont, sie wollten den internationalen Terrorismus weiter entschieden und gemeinsam bekämpfen, erklärte eine Regierungssprecherin in Berlin am Abend.