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23/07/2016

Armut in Europa: Jeder vierte EU-Bürger ist gefährdet

EU-Innenpolitik

Armut in Europa: Jeder vierte EU-Bürger ist gefährdet

Millionen Europäer können ihre Rechnung nicht begleichen. Foto: Shutterstock

Beinahe 25 Prozent der EU-Bevölkerung waren 2013 laut EU-Statistik von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Besonders betroffen sind osteuropäische Mitgliedsstaaten. Auch in Deutschland stieg der Wert. 

Mehr als 120 Millionen EU-Bürger waren 2013 von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge nahm der Anteil mit 24,5 Prozent gegenüber 2012 mit 24,8 Prozent leicht ab. Dennoch ist der Wert gegenüber 2008 (23,8 Prozent) deutlich höher.

Eine armutsgefährdete Person lebt laut Eurostat in einem Haushalt mit einem verfügbaren Äquivalenz-Einkommen unter der Schwelle von 60 Prozent des nationalen verfügbaren Median-Äquivalenzeinkommens (nach Sozialleistungen).

Besonders brisant ist die Armutsentwicklung in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten. Dort ist rund ein Drittel armutsgefährdet oder sozial ausgegrenzt. In Bulgarien sind es 48 Prozent, in Rumänien 40,4 Prozent, in Griechenland 35,7 Prozent, in Lettland 35,1 Prozent und in Ungarn 33,5 Prozent.

Die niedrigsten Werte sind in Tschechien (14,6 Prozent), den Niederlanden (15,9 Prozent), Finnland (16 Prozent) und Schweden (16,4 Prozent). Deutschland rangiert mit 20,3 Prozent im Mittelfeld: Der Wert stieg jedoch leicht gegenüber 2008 um 0,2 Prozentpunkte.

Die einzigen Länder, in denen ein Rückgang der Armutsgefährdung zu verzeichnen ist, sind Polen (von 35 Prozent 2008 auf 25,8 Prozent 2013), Rumänien (von 44,2 Prozent auf 40,4 Prozent), Österreich (von 20,6 Prozent auf 18,8 Prozent), Finnland (von 16,4 Prozent auf 16 Prozent), die Slowakei (von 20,6 Prozent auf 19,8 Prozent), Tschechien (von 15,3 Prozent auf 14,6 Prozent) und Frankreich (18,5 Prozent auf 18,1 Prozent). In Belgien blieb der Anteil konstant.

Andere Statistiken zeigen, dass die 9,6 Prozent der EU-Bevölkerung “stark materiell benachteiligt ist”. Diese Gruppe von Menschen hat Probleme, ihre Miete zu bezahlen oder andere Rechnungen zu begleichen. 

Der Rückgang der armutsgefährdete Personen in der EU ist eine der wesentlichen Ziele der Europa-2020-Strategie.

Weitere Informationen

EU-Kommission/eurostat: Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung in der EU28 (4. November 2014)