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25/07/2016

Andor: Deutsche Löhne steigen viel zu wenig

EU-Innenpolitik

Andor: Deutsche Löhne steigen viel zu wenig

Foto: EC

EU-Sozialkommissar Lazlo Andor hat Deutschland einen falschen Kurs in der Wirtschafts- und Lohnpolitik bescheinigt.

“Seit nunmehr zehn Jahren bleiben die Lohnzuwächse in Deutschland stark hinter der Produktivitätsentwicklung zurück”, sagte er der Zeitung “Welt am Sonntag”. Dies müsse sich ändern. Darüber hinaus sollte Deutschland seine öffentlichen Investitionen deutlich hochfahren, die Nachfrage steigern und die “exzessiven Exportüberschüsse, die anderen europäischen Ländern schaden” reduzieren. Deutschland habe als größte Volkswirtschaft der EU eine besondere Verantwortung für Europa, mahnte Andor.

“Es wäre besser, wenn die Löhne in Übereinstimmung mit der Produktivität wachsen würden”, sagte Andor. Er kritisierte auch, dass in einigen EU-Krisenländern die Lohnzuwächse deutlich über dem Produktivitätszuwachs gelegen hätten. “Das geht auch nicht.” Der EU-Kommissar plädierte dafür, in der EU neben den Bereichen Haushalt und Inflation auch für die Arbeitslosigkeit, die Einkommensentwicklung, das Armutsrisiko und die sozialen Ungleichgewichte Grenzwerte zu formulieren.

Mit Blick auf die Strategie im Kampf gegen die Euro-Staatsschuldenkrise kritisierte er, es sei falsch gewesen, in Problemländern drastische Lohnkürzungen einzufordern und damit die sozialen Probleme weiter anzuheizen. “Die Austeritätspolitik der vergangenen Jahre hat in vielen Ländern der Eurozone die ökonomische Krise verschärft”, erklärte er.

Auch aus der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte es zuletzt Stimmen gegeben, die für stärkere Einkommenszuwächse in Deutschland plädiert hatten. Dagegen hatte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer vor einigen Tagen auf Reallohnzuwächse in Deutschland verwiesen und Forderungen nach stärkeren Anhebungen zurückgewiesen. Es sei keinem geholfen, wenn die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft leide, auch nicht Europa, hatte er gewarnt.