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25/08/2016

AfD will mit Pegida zusammenarbeiten

EU-Innenpolitik

AfD will mit Pegida zusammenarbeiten

AfD-Parteisprecherin Frauke Petry sieht deutliche Schnittmengen mit der Pegida-Bewegung.

© blu-news.org (CC BY-SA 2.0)

Nach einem gemeinsamen Treffen zeigt sich die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) fest entschlossen, mit dem islamfeindlichen Pegida-Bündnis zu kooperieren.

Die euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) ist offensichtlich gewillt, mit den “Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes” (Pegida) gemeinsam Politik zu machen.

“Wir haben festgestellt, dass es offensichtlich inhaltliche Schnittmengen gibt”, erklärte die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry am heutigen Donnerstag in Dresden. Dies sei das wesentliche Ergebnis eines Treffens mit sieben Vertretern der Pegida-Bewegung gewesen.

Von der Pegida selbst lag zunächst keine Stellungnahme zu dem ersten offiziellen Gespräch von Vertretern der Bewegung mit AfD-Spitzenpolitikern vor.

Petry wandte sich erneut gegen die Vorbehalte der meisten Parteien, die der Pegida Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwerfen. “Das halten wir für falsch”, erklärte Petry.

Pegida hatte das Attentat auf die Redaktion der französischen satirischen Zeitschrift “Charlie Hebdo” am Mittwoch in Paris als Beleg dafür gewertet, dass Islamisten nicht demokratiefähig seien, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzten. “Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen”, erklärte die Organisation auf ihrer Facebook-Seite weiter.

Ähnlich äußerte sich auch AfD-Parteivize Alexander Gauland: “All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft.”

Lucke: Keine Pauschalverurteilungen

AfD-Bundesparteichef Bernd Lucke warnte hingegen vor Pauschalverurteilungen und rief zu “Besonnenheit” auf. “Man darf nicht die Gewalttat zweier Extremisten einer ganzen Religionsgemeinschaft anlasten, deren Großteil aus friedliebenden, unbescholtenen Menschen besteht”, sagte Lucke.

Zuvor hatte auch der AfD-Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel bei “Focus online” davor gewarnt, den Anschlag zu missbrauchen, um die “Stimmung gegen Ausländer anzuheizen”. Henkel sagte, er selbst würde nicht mit Pegida verhandeln. Es sei jedoch legitim, wenn die sächsische AfD die Pegida-Initiatoren kennenlernen wolle.

Pegida diffamiert Islam im Allgemeinen

Auf Pegida-Kundgebungen wandten sich unterdessen Redner nicht nur gegen radikalisierte Muslime, sondern gegen den Islam im Allgemeinen. So wurden etwa muslimische Bestattungsriten kritisiert. Gesprächsangebote von Parteien hatten die Organisatoren bisher mit der Begründung abgelehnt, überparteilich sein zu wollen. Auch Interviewanfragen deutscher Medien weisen sie meistens ab.

Hintergrund

Seit Wochen demonstrieren die Pegida-Anhänger gegen die angebliche "Überfremdung" der deutschen Gesellschaft durch den Islam - und gegen etliche andere Phänomene: etwa gegen die deutsche und europäische Russland-Politik sowie gegen die Medien. Am Montag marschierten 18.000 Pegida-Unterstützer durch Dresden.

In Köln und Berlin gingen hingegen nur wenige hundert Pegida-Anhänger auf die Straße. Die Gegendemonstrationen waren weitaus besser besucht – so zählten die Kundgebungen in Berlin, Köln und Dresden jeweils mehrere Tausend Teilnehmer. In Münster demonstrierten 10.000 Menschen für ein weltoffenes Deutschland.