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06/12/2016

Terroranschlag: LKW-Fahrer tötet in Nizza mindestens 84 Menschen

EU-Innenpolitik

Terroranschlag: LKW-Fahrer tötet in Nizza mindestens 84 Menschen

Am französischen Nationalfeiertag hat ein Angreifer in Nizza hunderte von feiernden Menschen auf einer Strandpromenade überfahren und mindestens 80 von ihnen getötet.

Foto: Twitter / ‏@gutjahr

Am französischen Nationalfeiertag hat ein Angreifer in Nizza hunderte Menschen auf einer Strandpromenade überfahren und mindestens 84 von ihnen getötet. EU-Politiker reagieren entsetzt.

Staatspräsident Francois Hollande sage, es gebe keine Zweifel an der terroristischen Natur der Attacke. Der Täter, der von der Polizei erschossen wurde, war der Zeitung „Nice Matin“ zufolge ein 31-jähriger aus der Region, der tunesische Wurzeln hatte. Er sei mit einem schweren LKW über mehrere hundert Meter über den Bürgersteig der belebten Promenade des Anglais gerast und habe dabei auch auf die Menge geschossen, sagten Lokalpolitiker mehreren Medien. Die Opfer hätten sich in dem Küstenort nahe der italienischen Grenze das Feuerwerk zum 14. Juli ansehen wollen.

Augenzeugen sagten, sie seien in Panik geflohen und hätten sich versteckt. Der Anschlag weckt Erinnerungen an die Terroranschläge in Paris im November mit 130 Toten. Im Internet machten zeitweise Gerüchte über eine Geiselnahme die Runde, die vom Innenministerium dementiert wurden. Hollande nahm noch am Abend seine Entscheidung zurück, den über Frankreich verhängten Ausnahmezustand am 26. Juli zu beenden. Nun soll er weitere drei Monate gelten. In Nizza übernahmen noch in der Nacht Experten für Terrorbekämpfung die Ermittlungen.

„Die Leute sind gefallen wie Kegel“

Bürgermeister Christian Estrosi sagte, in dem Lastwagen seien später Schusswaffen und Granaten gefunden worden. Den Berichten zufolge gab es deutlich mehr als 100 Verletzte. 42 Menschen waren laut „Nice Matin“ in kritischem Zustand. „Es ist eine Szene des Schreckens“, sagte der lokale Abgeordnete Eric Ciotti dem Sender „France Info“. Der Lastwagen sei über den Bürgersteig gerast und habe „mehrere hundert Leute niedergemäht“, bevor ihn die Polizei gestoppt habe. „Die Leute sind gefallen wie Kegel“, sagte ein Augenzeuge dem Sender.

Die Zeitung „Nice Matin“ zeigte auf ihrer Internetseite ein Foto von einem beschädigten LKW. Das Fahrzeug sei „von Kugeln förmlich durchsiebt“, so die Zeitung. Sie zitierte ihren Korrespondenten vor Ort: „Die Leute rennen, es herrscht Panik.“

Eine Augenzeugin sagte dem Sender „France Info“, sie sei mit anderen voller Angst geflohen: „Der LKW kam im Zickzack die Straße entlang. Wir rannten in ein Hotel und versteckten uns mit vielen anderen Leuten auf der Toilette.“ Eine andere Frau sagte dem Sender, sie habe sich mit etwa 200 anderen in einem Restaurant an der Promenade versteckt, wo sich die Dinge etwa zwei Stunden nach dem Angriff beruhigt hätten.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach von „einem Angriff auf die gesamte freie Welt“. Er habe mit Entsetzen bei seinem Staatsbesuch in Uruguay von dem Anschlag erfahren und dem französischen Präsidenten seine Anteilnahme ausgesprochen. Der Anschlag gelte den Werte der französischen Revolution, „die auch unsere Werte sind“, teilt der Bundespräsident mit. US-Präsident Obama bot Frankreich die Hilfe der USA an: „Ich verurteile schärfstens, was eine schreckliche Terrorattacke zu sein scheint“.

EU-Politiker reagieren entsetzt auf Anschlag in Nizza

Mehrere Vertreter von EU-Staaten haben sich entsetzt über den Anschlag in der südfranzösischen Stadt Nizza geäußert.

EU-Ratspräsident Donald Tusk sprach auf dem Asem-Treffen in Ulan Bator am Freitag von „einem schlimmen Tag für Frankreich, Europa, für uns alle“. Zugleich mahnte er eine geschlossene Haltung an: „Wir stehen zusammen mit den Familien der Opfern, dem französischen Volk und der französischen Regierung im Kampf gegen Gewalt und Hass“, sagte er vor Beginn des Gipfel der europäischen und asiatischen Staaten.

Ähnlich äußerten sich der estnische Ministerpräsident Taavi Roivas, sein dänischer Kollege Kristian Jensen und der belgische Außenminister Didier Reynders. „Der Anschlag gibt uns noch mehr Gründe, enger zusammenarbeiten im globalen Kampf gegen Terror“, sagte Jensen. Dänemark sei bereit, alles dafür zu tun. „Heute stehen wir alle gemeinsam mit dem französischen Volk“, sagte Roivas. Reynders sprach von einem „barbarischen Anschlag“.