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26/09/2016

Zwangsheirat: Drastischer Anstieg von Kinderehen unter Flüchtlingen

EU-Außenpolitik

Zwangsheirat: Drastischer Anstieg von Kinderehen unter Flüchtlingen

Immer mehr Mädchen unter syrischer Flüchtlngen droht eine Kinderehe.

[European Commission DG ECHO/Flickr]

Immer mehr junge Mädchen werden in Flüchtlingsunterkünften zwangsverheiratet – und seien dadurch in großer Gefahr, warnen die SOS-Kinderdörfer.

Immer mehr Kinder werden in Flüchtlingsunterkünften zwangsverheiratet. Besonders häufig betroffen sind vor allem minderjährige Mädchen aus Syrien, warnt die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer. Während vor dem Krieg in Syrien bei 13 Prozent aller Hochzeiten einer oder beide Ehepartner jünger als 18 Jahre gewesen seien, sei deren Anteil nun auf mehr als 51 Prozent gestiegen. Vor allen in Flüchtlingscamps in Jordanien, im Libanon, im Irak und der Türkei habe sich die Zahl der Zwangsehen erhöht.

Dabei handelten die Eltern oft im besten Glauben, sagt Alia Al-Dalli, die Leiterin der SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten: „Eine Ehe soll ihren Töchtern in der unsicheren und instabilen Fluchtsituation helfen, sie finanziell, aber auch körperlich abzusichern und ihre Ehre zu bewahren. Häufig wird auch eine Mitgift an die Eltern gezahlt, um eine Heiratserlaubnis zu erhalten.“

Armut sei darum ein häufiger Beweggrund für syrische Eltern, ihre Töchter zu verheiraten – jedoch mit verheerenden Folgen: Die Mädchen brechen nicht nur häufig die Schule ab und werden sozial isoliert. Oft werden sie auch oft Opfer von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch durch die in der Regel wesentlich älteren Ehemänner.

Geburt ist zweithäufigste Todesursache von Kinderbräuten

Zudem sind frühe Schwangerschaften eine Gefahr für die jungen Frauen. Denn im Teenageralter führt dies oft zu Komplikationen. Allein in Entwicklungsländern sterben jedes Jahr deshalb etwa 70.000 Mädchen. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO ist die zweithäufigste Todesursache von Kinderbräuten die Geburt ihres Kindes. Gefolgt von Selbstmord.

„Die Eltern und Kinder müssen aufgeklärt und unterstützt werden, damit sie keiner Kinderehe zustimmen. Außerdem müssen Gesetze Ehen von Minderjährigen verbieten“, sagt Al-Dalli.

Damit nimmt die ohnehin hohe Zahl von Kinderehe-Opfern weiter zu. Jeden Tag werden weltweit 40.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet – das entspricht einer Kinderehe alle zwei Sekunden. Etwa ein Drittel dieser Mädchen ist noch nicht einmal 15 Jahre alt. Werde der Trend nicht gestoppt, werden im Jahr 2030 rund 950 Millionen Mädchen verheiratet sein, warnte Anfang des Jahres die Kampagne „Girls not brides“. Mehr als 60 Prozent der Kinderbräute hätten keinen Schulabschluss. damit fehle ihnen die Cance, sich selbst zu versorgen.

„Human Rights Watch“ hatte die Zahlen zum Anlass genommen, einen Themenschwerpunkt ihres Jahresberichts für 2016 auf den Kampf gegen Kinderehen zu setzen. Um das UN-Entwicklungsziel, dass es 2030 keine Kinderehen mehr gibt, zu erreichen, müsste noch viel politischer Wille gezeigt werden, mahnt HRW darin.

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