Yücel nicht mehr in Einzelhaft

Der Journalist Deniz Yücel ist seit fast 300 Tagen in türkischer Haft. [Foto: Metropolico.org/Flickr]

Die türkischen Behörden haben die Haftbedingungen für den „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel gelockert. Der Journalist befinde sich nicht mehr in Einzelhaft, sagte sein Anwalt nach einem Besuch in der Haftanstalt Silivri der „Welt“ (Montagsausgabe).

Demnach wurde Yücel nach fast 300 Tagen in Gefangenschaft in eine Zelle verlegt, die über einen kleinen Innenhof mit zwei anderen Zellen verbunden ist. In einer der angeschlossenen Zellen sitze der Journalist Oguz Usluer, der früher für die türkische Tageszeitung „Habertürk“ arbeitete. Der Zugang beider Zellen zu dem gemeinsamen Innenhof sei während des Tages geöffnet, sagte Yücels Anwalt.

Bisher war Yücel laut „Welt“ jeder Kontakt zu Mitgefangenen unmöglich. Außer Usluer werde er offenbar auch weiterhin keinen anderen Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses begegnen können.

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Die EU ringt um die Kürzung der „Vor-Beitrittshilfe“ an die Türkei. Den Beitrittskandidaten auf dem Westbalkan macht sie weiter Hoffnung.

Bundesjustizminister Heiko Maas begrüßte das Ende der Einzelhaft für Yücel. „Welch eine großartige Nachricht! Endlich bewegt sich was!“, sagte er der „Welt“. Die Bundesregierung werde sich weiter für eine vollständige Haftentlassung einsetzen – „Schritt für Schritt, wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen“.

Der deutsch-türkische Journalist hatte sich Mitte Februar in Istanbul der Polizei gestellt. Zwei Wochen später war er wegen „Terrorpropaganda“ und „Volksverhetzung“ in U-Haft genommen worden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen „Spion“ und „Agenten“ der PKK. Seine Festnahme steht in einer Reihe von Ereignissen, die das deutsch-türkische Verhältnis seit Monaten arg belasten. Die Bundesregierung dringt bisher vergeblich auf eine Freilassung Yücels.

Bereits ende Oktober gab es zaghafte Zeichen des Entgegenkommens seitens Ankara. Damals kam der ebenfalls inhaftierte Menschenrechtler Peter Steudtner überraschend auf freien Fuß, nachdem die Staatsanwaltschaft dies zu Beginn des Prozesses beantragt hatte.