Unternehmen sehen Brexit gelassen

Gefährdet der Brexit den Handel zwischen Großbritannien und der EU-27? [kees torn/Flickr]

Der Großteil der europäischen Unternehmen reagiert gelassen auf das Brexit-Votum. Der bevorstehende EU-Austritt wirkt sich kaum auf die strategischen Planungen aus.

Knapp 70 Prozent der vom Nachrichten- und Datenkonzern Thomson Reuters befragten 200 Finanzvorstände in Großbritannien und dem restlichen Europa geben an, dass das Referendum noch keine Auswirkungen auf ihre strategischen Planungen gehabt habe. „Die Ergebnisse deuten auf eine bislang relativ schwache Reaktion der Wirtschaft hin – nicht die Kurzschlussreaktion, die manche erwartet hatten“, sagte Thomson-Reuters-Manager Laurence Kiddle am Donnerstag. Nur zwölf Prozent der befragten Finanzchefs hätten eine Verlagerung von Geschäften aus Großbritannien geprüft.

Zwar hatte in etwa jeder Dritte einen Abbau von Beschäftigten in Großbritannien als Folge des Brexit-Votums erwartet. Doch nur etwa 19 Prozent der Befragten gaben an, tatsächlich Arbeitsplätze verlagern zu wollen. Unter anderem hatte die Royal Bank of Scotland Anfang des Monats angekündigt, 150 Jobs nach Amsterdam zu verlegen. Allerdings räumte mehr als jeder fünfte Finanzchef ein, durch das Referendum im Juni 2016 von einer Expansion auf der Insel abgehalten worden zu sein.

Einige Firmen sehen sogar neue Geschäftschancen. So eröffnet die Schweizer Privatbank Julius Bär drei neue Büros in Großbritannien und will damit vom Brexit verunsicherte, wohlhabende Briten als Kunden gewinnen. Am Mittwoch hatte Amazon zudem angekündigt, in Bristol ein neues Vertriebszentrum eröffnen und dort 1000 Beschäftigte einstellen zu wollen.

Die Prognosen über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit gehen weit auseinander. Die Wirtschaft in der EU-27 hofft auf einen weichen Brexit und darauf, dass das Ausscheiden Großbritanniens der EU-Integration neuen Schwung verleiht. BDI-Präsident Dieter Kempf: „Für die Politik in Brüssel und Berlin darf es nur eine Devise geben: Europa zusammenzuhalten und zu stärken.“ Dazu zähle der gemeinsame Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten für Arbeit, Kapital, Waren und Dienstleistungen. Europa sei das Fundament für Wohlstand und Chancen.

Die deutsche Ökonomie hat ein besonderes Interesse an günstigen Marktzugangsbedingungen auf der Insel. Das Vereinigte Königreich ist derzeit Deutschlands drittgrößter Absatzmarkt. Besonders viel gehandelt wird in den Bereichen Transport, Maschinenbau und Chemie.