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03/12/2016

Unicef: Weltweit 50 Millionen Kinder heimatlos und auf der Flucht

EU-Außenpolitik

Unicef: Weltweit 50 Millionen Kinder heimatlos und auf der Flucht

Fast 50 Millionen Kinder weltweit wachsen in der Fremde auf – mehr als die Hälfte (28 Millionen) sind auf der Flucht vor Krieg und Gewalt.

[J SH/Flickr]

Das Kinderhilfswerk Unicef registriert eine wachsende Zahl an minderjährigen Flüchtlingen. Sie müssten besser vor den Gefahren der Flucht geschützt werden.

Einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef zu Flucht und Migration von Kindern zufolge wachsen weltweit beinahe 50 Millionen Kinder heute in der Fremde auf. Mehr als die Hälfte, 28 Millionen, sind auf der Flucht vor Krieg und Gewalt.

Verglichen mit den globalen Flüchtlingszahlen der Vereinten Nationen, wonach weltweit 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht sind, zeigt sich, dass jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt minderjährig ist. Im Bericht von Unicef  heißt es: „Je nach Situation gelten diese Mädchen und Jungen als Migranten, Flüchtlinge, Asylsuchende oder Binnenvertriebene – aber sie sind vor allem eins: Kinder.“

Wie Unicef in der Nacht mitteilte, sind Kinder besonders oft von gewalttätigen Konflikten betroffen: „Unter 18-Jährige stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der Flüchtlinge.“ Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder kamen 2015 laut Unicef aus Syrien und Afghanistan.

Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen dem Bericht zufolge ihre Heimat allein, ohne den Schutz der Eltern. Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland verlassen, beispielsweise um extremer Armut zu entkommen.

Vater von Aylan Kurdi kritisierte Tatenlosigkeit Europas

Vor einer Woche – ein Jahr nach dem Tod des dreijährigen Syrers Aylan Kurdi bei seiner Flucht über die Ägäis – hatte sein Vater die europäische Flüchtlingspolitik kritisiert. „Die Politiker haben nach dem Tod meiner Familie gesagt: Nie wieder!“, sagte Abdullah Kurdi der „Bild“-Zeitung. „Alle wollten angeblich etwas tun wegen des Fotos, das sie so berührt hat. Aber was passiert denn jetzt? Das Sterben geht weiter und keiner
tut etwas.

Kenia schließt größtes Flüchtlingslager der Welt

Kenia will Ende Mai das weltweit größte Flüchtlingslager Daadab schließen und sämtliche Einwohner in ihre Heimatländer zurückschicken. Der Grund: In Daadab haben die radikalen Islamisten von al Shabaab das Sagen.

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Das Foto des toten Aylan an einem Strand nahe dem türkischen Ferienort Bodrum war am 2. September 2015 um die Welt gegangen. Abdullah Kurdi verlor außer Aylan einen weiteren Sohn und seine Frau, nur er überlebte damals das Unglück während der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland.

Abdullah Kurdi, der mittlerweile im irakischen Erbil in einem von der kurdischen Regionalregierung bereitgestellten Haus wohnt, kritisierte in der „Bild“, dass weiter Menschen bei der Flucht über das Meer sterben. „Ich kann diese Bilder, die mich an unseren Horror erinnern, kaum ansehen. Wie ist es möglich, dass diese Dramen immer und immer wieder passieren?“

Der Bürgerkrieg in Syrien wütet seit mehr als fünf Jahren. Bislang wurden bereits mehr als 290.000 Menschen getötet. Der Konflikt trug zur schwersten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei.