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03/12/2016

UNICEF prangert mangelnde Hilfe für Flüchtlingskinder an

EU-Außenpolitik

UNICEF prangert mangelnde Hilfe für Flüchtlingskinder an

Das EU-Parlament entschied, die europäischen Ausgaben für Entwicklungs- und Migrationsprogramme um fast eine halbe Milliarde Euro zu erhöhen.

Ververidis Vasilis / Shutterstock

Im Krieg täglich ums Überleben fürchten, auf der Flucht alles zurücklassen, Angehörige und Freunde sterben sehen – Millionen Mädchen und Jungen machen das in Ländern wie Syrien, Südsudan oder der Ukraine durch.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef weist in seinem am Dienstag veröffentlichten „Report 2016: Flüchtlingskindern helfen“ auf die dramatische Lage vieler Kinder in Krisengebieten hin. Weltweit wächst demnach heute jedes neunte Kind in einer von Gewalt oder bewaffneten Konflikten geprägten Umgebung auf. In dem Bericht ist von einer „neuen Ära humanitärer Krisen“, die Rede, in der eine „‚Generation der Kriegs- und Krisenkinder'“ aufwachse. Allein im vergangenen Jahr seien 16 Millionen Kinder in einer Konfliktregion geboren worden.

Rund 75 Millionen Kinder im Alter von drei bis 18 Jahren können wegen anhaltender Krisen oder Katastrophen keinen Kindergarten besuchen, nicht zur Schule gehen oder nur unregelmäßig lernen, heißt es in dem Bericht. Täglich würden im Durchschnitt vier Schulen oder Krankenhäuser zur Zielscheibe bewaffneter Angriffe.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ohne gültige Papiere haben es in der Bundesrepublik besonders schwer, wie der Report 2016 ausführt. Unicef schätzt, dass beispielsweise durch den Konflikt im Nahen Osten ein Fünftel der Kinder Gefahr laufen, psychische Probleme zu entwickeln. Bis zu vier Prozent der Kinder könnten demnach ohne angemessene Hilfe sogar schwere psychische Probleme bekommen. Seit Beginn des Konflikts in Syrien müssten zum Beispiel immer mehr Flüchtlingskinder arbeiten: harte Feldarbeit im Libanon, Aushilfe in jordanischen Geschäften, Fertigung von Schuhen in der Türkei.

Die Hilfsorganisation verweist auf ihr 2013 gestartetes und von der Bundesregierung unterstütztes Programm „No Lost Generation in Syrien und  seinen Nachbarländern“. Es sei gelungen, durch direkte Investitionen den Zugang zu Lernmöglichkeiten und psychosozialer Unterstützung auszubauen.

Kritik äußerte Unicef auch an der Reaktion der EU auf die Flüchtlingskrise. Demnach wurden bis Dezember 2015 lediglich 600 der geplanten 20.000 Flüchtlinge von außerhalb der Europäischen Union umgesiedelt, nur 212 der geplanten 160.000 Menschen innerhalb der EU umverteilt und nur zwei der geplanten elf „Hotspots“ zur Registrierung und Identifizierung von Flüchtlingen in Betrieb genommen. Wenn das  Recht auf Asyl schrittweise ausgehöhlt werde, habe die EU ein „ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem“.

Bis Ende November 2015 waren den Angaben zufolge fast 240.000 Kinder aller Altersstufen allein oder mit ihren Familien auf der Suche nach Asyl in der EU. Unter den eine Million Flüchtlingen und Migranten, die 2015 in Deutschland angekommen sind, sind demnach geschätzte 300.000 Kinder. Die Anstrengungen freiwilliger Helfer sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen sei beeindruckend, sie könnten jedoch „nicht übernehmen“, was die „Aufgabe staatlicher Stellen“ sei.

Obwohl der Zusammenhang zwischen Not und Flucht bekannt sei, bleibe Deutschland mit seinen Ansätzen für Entwicklungszusammenarbeit trotz einiger Erhöhungen von Haushaltstiteln bei etwa 0,4 Prozent des Bruttosozialprodukts. „Der fehlende Wille, die Güter der Welt gerecht zu teilen und zufriedenstellende Lebensbedingungen zu schaffen, wird den wirtschaftlich entwickelten Staaten weitere Millionen von Flüchtlingen bescheren“, heißt es in dem Bericht.