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26/09/2016

UN: Noch nie gab es so viele Flüchtlinge

EU-Außenpolitik

UN: Noch nie gab es so viele Flüchtlinge

Die Zahl der Flüchtlinge ist nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) so hoch wie nie zuvor.

Foto: Waer Hamzeh/dpa

Die Zahl der Flüchtlinge ist so hoch wie nie zuvor: Rechnerisch ist weltweit jeder 113. Mensch asylsuchend oder auf der Flucht. Die Kritik an der europäischen Asylpolitik wächst entsprechend.

2015 hätten insgesamt 65,3 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, knapp sechs Millionen mehr als im Jahr davor, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit. Grund dafür seien unter anderem neue oder wieder aufgeflammte Konflikte vor allem in Syrien, aber auch im Südsudan, Jemen, Burundi, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik. Hinzu kämen die bereits lange andauernden Krisen in Somalia und Afghanistan.

Laut UNHCR war 2015 rein rechnerisch weltweit jeder 113. Mensch asylsuchend oder auf der Flucht. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge entsprach demnach in etwa der Bevölkerung Großbritanniens.

Pro Asyl warnt vor Abbau des Asylrechts und Kultur der Gleichgültigkeit

Anlässlich des Weltflüchtlingstages warnte die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl, das Recht, in Europa Asyl zu suchen, werde Schritt für Schritt eingeschränkt. „Bald wird es nur noch auf dem Papier existieren, faktisch für Schutzsuchende aber nicht mehr erreichbar sein“, warnte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. Die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik werde zunehmend in den Dienst der Flüchtlingsabwehr gestellt.

Tausende Menschen sind in diesem Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken. Der EU-Türkei-Deal, so kritisiert Pro Asyl, zwinge Flüchtlinge auf immer gefährlichere Routen. Die Türkei solle lediglich verhindern, dass Schutzsuchende Europa überhaupt erreichen. Mit dem EU-Türkei-Deal sei das Recht auf eine faire Prüfung von Asylanträgen in Europa ausgehebelt. Hunderte Menschen würden in der Türkei menschenrechtswidrig inhaftiert, ohne dass es den versprochenen Zugang zu einem Asylverfahren gibt. Tausende würden in Griechenland faktisch ohne  die Möglichkeit festgehalten, sich vor Gericht gegen ihre Inhaftierung zu wehren.

Die Organisation kritisiert auch, flüchtlingsfeindliche Deals mit Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden, würden zunehmend zur Strategie. Nach dem Muster des EU-Türkei-Deals sollen Staaten wie Libyen, Sudan, Äthiopien und andere aufgerüstet werden, sodass z.B. Flüchtlinge aus Eritrea Europa nicht mehr erreichen können. In Deutschland liegt ihre Anerkennungsquote bei fast 100 Prozent.