Umfrage: Serbiens Herz liegt im Osten, der Geldbeutel im Westen

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch in Belgrad, März 2011. [The Kremlin]

Die Serben haben eine realistische Sicht, was ihre Lebensumstände angeht. Die Meinung über die internationale Bedeutung und Position ihres Landes ist dafür irrational, befindet eine Studie. Ein Bericht von EURACTIV.rs.

Laut einer aktuellen Studie glauben 40 Prozent der Serben, dass Russland der beste/wichtigste Verbündete ihres Landes ist. Gleichzeitig sagt über die Hälfte (52 Prozent) der Befragten, dass sie am liebsten in einem westlichen Land leben wollen – und nicht in Russland.

Die Umfrage des Demostat Instituts mit dem Titel „Welche Seite? Serbien zwischen Ost und West” wurde am Dienstag veröffentlicht und zeigt weiter, dass die Serben „militärische Neutralität“ in Konflikten fordern und eine Mehrheit von 53 Prozent gegen jegliche fremdländische Militärbasen im Land ist. Aber: Wenn solch eine Basis dennoch errichtet würde, würden 20 Prozent der 1200 Teilnehmer es begrüßen, wenn sie russisch ist. Unter den Anhängern der serbischen Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vučić liegt der Wert bei 28 Prozent.

Auf die Frage, in welchem Staat sie am liebsten leben würden, präferierten die meisten Deutschland (11 Prozent), gefolgt von der Schweiz (7 Prozent) und Österreich, Italien und Schweden (je 5 Prozent). Auffällig war dabei, dass fast 17 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Deutschland nannte, bei den Senioren über 75 Jahren hingegen nur 2 Prozent. Darüber hinaus fällt die Verbundenheit mit dem Heimatland Serbien mit höheren Bildungsgraden.

Emotion vs. Vernunft

Als besten Freund/Verbündeten Serbiens nannten 41 Prozent Russland, gefolgt von China (6 Prozent), Mazedonien (3 Prozent), Griechenland (2 Prozent) und Montenegro (ebenfalls 2 Prozent). 10 Prozent glauben, Serbien habe keinen „besten Freund“. Auch bei diesem Thema zeigt sich eine Alt-Jung-Schere. Unter den älteren Teilnehmern der Befragung machten die Russophilen 52 Prozent aus, bei den jüngsten lediglich 32 Prozent.

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Der Chef des Demostat-Instituts Srećko Mihailović spricht in diesem Zusammenhang von einer „unerwiderten Liebe“ und weist auf ähnliche Umfragen des Levada-Zentrums in Russland hin. 2006 lag Serbien bei den russischen Befragten an zwölfter Stelle der „besten Freunde“, hinter mehreren ex-Sowjetstaaten, China, Indien, Kuba und Venezuela.

Serbien sei ein „hin- und hergerissenes Land, dessen Herz nach Osten hin offen ist – und der Geldbeutel nach Westen“, kommentierte Mihailović die Ergebnisse der jüngsten Umfrage. Er analysierte weiter: „Wenn es um Emotionen geht, hat Russland einen deutlichen Vorteil, aber wenn die Vernunft ins Spiel kommt, liegen die westlichen Länder klar vorne.“

Zoran Panović, Leiter der Demostat-Studie, weist auch auf Unterschiede in der offiziellen Innen- und Außenpolitik des Landes hin. Während die Außenpolitik eher EU-orientiert sei, werde im Inland insbesondere durch die Medien ein russlandfreundliches Bild geschaffen. Panović glaubt auch, die Serben hätten ein extrem verworrenes Bild davon, was „militärische Neutralität“ tatsächlich bedeute.

Dragan Janjić, Chefredakteur der Nachrichtenagentur Beta News, sieht den Ursprung dafür bei den Eliten, die „eine Art Schizophrenie“ in der serbischen Gesellschaft schaffen: „Es ist eindeutig, dass wir als Gesellschaft nicht mal eine minimale Balance zwischen Wunschdenken und tatsächlichen Bedürfnissen, zwischen der Realität und Vorurteilen haben. Das lässt sich an den Umfrageergebnissen ablesen: Die Menschen haben ein sehr gefestigtes Ideal davon, was das Beste für sie und ihre Familien ist – aber die Sicht über die Position Serbiens in der Welt weicht komplett davon ab,” so Janjić während der Präsentation der Studie. Seiner Meinung nach liege die Verantwortung dafür bei den politischen und anderen Eliten, die „gerne einfache Lösungen präsentieren“ und extrem anfällig für Populismus seien.

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