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27/07/2016

Türkei: Demonstrationen gegen Erdo?an-Regierung nach Anschlag in Suruc

EU-Außenpolitik

Türkei: Demonstrationen gegen Erdo?an-Regierung nach Anschlag in Suruc

Anti-Erdo?an-Proteste in Istanbul nach dem Anschlag in Suruc. Foto: dpa

Die türkische Polizei ist am Montag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Sie geben der Regierung eine Mitschuld an dem tödlichen Selbstmordanschlag in der Grenzstadt Suruc und beschuldigen Präsident Recep Tayyip Erdo?an mit dem Islamischen Staat zu kollaborieren.

In Istanbul versammelten sich Hunderte pro-kurdische Demonstranten. Sie warfen Präsident Recep Tayyip Erdo?an und dessen regierender AKP vor, Kollaborateure der extremistischen Miliz Islamischer Staat (IS) zu sein.

Die kurdische PKK hatte zuvor die türkische Regierung für den Anschlag mit 30 Toten in Suruc nahe der Grenze zu Syrien mitverantwortlich gemacht, weil sie den IS im Kampf gegen die Kurden in Syrien unterstützt habe.

Bei dem Anschlag in der Stadt Suruc, zehn Kilometer von der syrischen Grenzstadt Kobane entfernt, wurden zudem mehr als 100 Menschen verletzt. Die meisten Opfer waren türkische und kurdische Jugendliche, die gemeinsam zu einem Aufbaueinsatz nach Kobane aufbrechen wollten. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, erste Untersuchungen deuteten auf die Islamistenmiliz IS als Urheber des Anschlags.

Der IS beherrscht Teile Syriens und des Irak und hatte über einen längeren Zeitraum hinweg auch Kobane erobert. Dort waren die Extremisten aber von Kurden-Milizen vertrieben worden. Der Anschlag ereignete sich vor einem Kulturzentrum im vorwiegend kurdischen Suruc, als sich dort zahlreiche Studenten und Jugendliche versammelt hatten, um die lokalen Medien über ihren bevorstehenden Wiederaufbau-Einsatz in Kobane zu unterrichten. Medienberichten zufolge war die Attentäterin eine 18-jährige Jugendliche.

Wie der Regierungschef nannten auch ranghohe Sicherheitskreise im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters eine Urheberschaft des IS als wahrscheinlichen Hintergrund des Anschlags. Es könne sich um einen Racheakt für die türkische Beteiligung am Kampf gegen den IS handeln, vermutete ein Insider.

Türkei verstärkt Grenzsicherung

Davutoglu kündigte eine Verstärkung der Grenzsicherung nach Syrien an. Die Überwachung der Grenze zwischen beiden Staaten ist schwierig, auch, weil mittlerweile mehr als 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge auf türkischer Seite ausharren.

Aus Furcht vor einem Übergreifen des Bürgerkriegs und einer Ausweitung des Einflusses des IS auf türkisches Staatsgebiet hatte die türkische Armee ihre Präsenz an der Grenze zu dem Nachbarland vor wenigen Wochen bereits deutlich verstärkt.

Kobane war monatelang von IS-Kämpfern belagert worden und wurde weitgehend zerstört. Die Türkei hatte kurdischen Kämpfern aus dem Irak gestattet, über ihr Staatsgebiet den Verteidigern Kobanes zu Hilfe zu kommen. Mit Hilfe von Luftangriffen der von den USA geführten Allianz schlugen sie den IS zurück.

Auch in Kobane selbst ereignete sich eine Explosion, zu der es unterschiedliche Angaben gab. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die syrische Kurdenmiliz YPG sei mit einer Autobombe angegriffen worden. Ein YPG-Sprecher sagte dagegen, es habe mehrere Explosionen bei der Beseitigung von Munition gegeben, die vom IS zurückgelassen worden sei.