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09/12/2016

Türkei und USA über Kreuz wegen türkischem Vorstoß in Syrien

EU-Außenpolitik

Türkei und USA über Kreuz wegen türkischem Vorstoß in Syrien

Aus US-Sicht sollte der türkische Vorstoß den IS-Truppen gelten, doch in dem von Ankara angegriffenen Gebiet in Nordsyrien ist der IS gar nicht präsent.

[Day Donaldson/Flickr]

Zwischen den USA und der Regierung in Ankara ist ein offener Streit über den türkischen Militärvorstoß in Syrien ausgebrochen.

Die Gefechte zwischen den Soldaten des Nato-Verbündeten und syrischen Rebellengruppen seien inakzeptabel, erklärte der US-Sondergesandte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, gestern auf Twitter. In diesen Regionen sei die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gar nicht präsent. Auch das US-Verteidigungsministerium erklärte, unkoordinierte Einsätze spielten den Islamisten nur in die Hände. Die Türkei wies die Kritik zurück. Niemand habe das Recht, der Türkei vorzuschreiben, „gegen welche Terrororganisationen wir kämpfen können und welche wir ignorieren sollen“, sagte Europa-Minister Omer Celik.

Die türkische Armee hatte am Mittwoch die Grenze nach Syrien überquert. Dabei verfolgt die Regierung in Ankara zwei Ziele: Den IS zu vertreiben und zu verhindern, dass kurdische Rebellen die Macht in diesen Gebieten übernimmt. Die Truppen agieren von Norden kommend in einem Teil des Bürgerkriegslandes, das zwischen zwei von Kurden kontrollierten Regionen liegt – eine davon östlich des Euphrat, die andere im Westen in Richtung Mittelmeer. Die Türkei befürchtet ein Erstarken der verbotenen Arbeiterpartei PKK im eigenen Land, sollten die Kurden in Syrien ein größeres, zusammenhängendes Gebiet unter ihre Kontrolle bringen.

„Die Türkei ist keine Besatzungsmacht“

Die türkische Armee gab am Montag die Eroberung von zehn weiteren Dörfern im Norden Syriens bekannt. Die Aufständischen dort seien vertrieben worden, hieß es. Wer damit gemeint war, wurde nicht gesagt. Zudem rückten türkischen Einheiten auf die Stadt Manbidsch vor, die die Rebellengruppe SDF mit Hilfe der USA jüngst vom IS zurückerobert hatte. Zur SDF gehört auch die schlagkräftige Kurdenmiliz YPG, ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Islamisten. Vertreter der SDF erklärten angesichts der vorrückenden türkischen Soldaten, in der Region um Manbidsch hielten sich weder YPG-Kämpfer auf noch gehörten sie zu den Verstärkungen, die nun in die Stadt geschickt würden.

Ein Sprecher der YPG sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Türkei wolle die eroberten Teile von Syrien besetzen. Dem widersprach Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus. „Die Türkei ist keine Besatzungsmacht“, sagte er dem Sender NTV. Zudem sei sein Land mit der Operation „Schutzschild Euphrat“ nicht in den syrischen Bürgerkrieg eingetreten. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf der YPG „ethnische Säuberung“ vor und verlangte, ihre Einheiten sollten sich nach Osten über den Euphrat zurückziehen. Die USA haben erklärt, dies sei offenbar schon geschehen.

 

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