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26/09/2016

Türkei: Festnahmen bei Polizeirazzien in mehreren Gerichten

EU-Außenpolitik

Türkei: Festnahmen bei Polizeirazzien in mehreren Gerichten

Ein Blick auf Istanbul. Foto: dpa

Die türkische Polizei hat einem Medienbericht zufolge drei Gerichtsgebäude in Istanbul durchsucht und mehrere Personen festgenommen.

Im Zusammenhang mit Haftbefehlen gegen 173 Bedienstete der Gerichte wegen mutmaßlicher Verwicklung in den gescheiterten Militärputsch seien die Büros der Beschuldigten durchsucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Die Aktionen fanden demnach im Justizpalast sowie zwei weiteren Gerichtsgebäuden im europäischen Teil der Metropole am Bosporus statt. Es seien mehrere Personen festgenommen und zu Verhören abgeführt worden. Auch die Wohnungen von Verdächtigen seien durchsucht worden.

Aus Regierungskreisen verlautete zudem, ein wegen des Putschversuchs gesuchter Staatsanwalt aus der osttürkischen Provinz Erzurum sei Sonntagabend bei dem Versuch festgenommen worden, die Grenze nach Syrien zu überqueren. Grenzschützer hätten ihn in der Provinz Kilis gefasst. Er habe vermutlich im syrischen Kurdengebiet Unterschlupf finden wollen.

Nach Darstellung der türkischen Sicherheitskräfte haben die Putschisten Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und nutzen deren Schmuggelwege.

Nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim wurden seit dem Putschversuch vor einem Monat mehr als 81.500 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Darunter sind Angehörige der Justizverwaltung wie auch des Militärs, der Polizei und des Bildungswesens. Ihnen werden Verbindungen zum Netzwerk des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Führung als Drahtzieher des Umsturzversuchs bezeichnet. Gülen weist dies zurück. Bei dem Putschversuch waren mehr als 240 Menschen getötet worden. Über 35.000 Türken wurden seitdem festgenommen, gegen 17.000 von ihnen wurden Haftbefehle erlassen.