„Time“-Ehrung für Merkel: Obama gratuliert, Trump schmollt

US-Präsident Obama sieht in Kanzlerin Merkel seine "engste internationale Verbündete in diesen vergangenen acht Jahren". (Archivbild) [Foto: dpa]

US-Präsident Barack Obama hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Auszeichnung als „Persönlichkeit des Jahres“ durch das US-Magazin „Time“ gratuliert. Obamas Widersacher Donald Trump kritisiert hingegen, dass mit Merkel jene Politikerin ausgewählt wurde, „die Deutschland ruiniert“.

„Herzlichen Glückwunsch“ – US-Präsident Barack Obama hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Auszeichnung als „Persönlichkeit des Jahres“ durch das US-Magazin „Time“ via Twitter gratuliert. Der Präsident danke seiner „Freundin“ Merkel für ihre „moralische Führungsstärke“ und die „starke Partnerschaft“, schrieb Obama am Mittwoch.

Die „Time“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Rolle als unverzichtbare Krisenmanagerin in der Europäischen Union zur „Persönlichkeit des Jahres“ gekürt. Im griechischen Schuldendrama und beim Umgang mit dem historischen Flüchtlingsandrang habe Merkel Führungsstärke bewiesen, begründete das US-Magazin am Mittwoch die Wahl. Auf seiner Titelseite bezeichnete das Magazin Merkel als „Kanzlerin der freien Welt“.

„Man kann ihr zustimmen oder auch nicht. Aber sie geht nicht den einfachen Weg“, schrieb Chefredakteurin Nancy Gibbs. „Dafür, dass sie ihrem Land mehr abverlangt, als es die meisten Politiker wagen würden, für ihren Einsatz gegen Tyrannei und Opportunismus und für ihre standhafte moralische Führung in einer Welt, in der es an einer solchen mangelt, kürt ‚Time‘ Angela Merkel zur Persönlichkeit des Jahres.“

Merkel habe in den vergangenen Jahren bereits eine entscheidende Rolle in der Griechenlandkrise gespielt und mit den diplomatischen Bemühungen im Ukraine-Konflikt an internationaler Statur gewonnen. In diesem Jahr sei die Kanzlerin aber endgültig zu „Europas mächtigster Anführerin“ geworden. Die Eskalation der Schuldenkrise habe die Existenz der Eurozone bedroht, die Flüchtlingskrise das Modell der offenen Grenzen in Frage gestellt. „Jedes Mal hat Merkel eingegriffen“, schrieb Gibbs.

Die „Time“-Chefredakteurin würdigte auch die Entscheidung von Merkels Regierung, nach den Anschlägen von Paris deutsche Soldaten am Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu beteiligen. „Deutschland hat die letzten 70 Jahre damit verbracht, Gegenmittel zu seiner giftigen Vergangenheit aus Nationalismus, Militarismus und Völkermord zu testen. Merkel vertritt eine andere Werteordnung – Menschlichkeit, Großzügigkeit, Toleranz – um zu zeigen, wie Deutschlands große Stärke genutzt werden könnte, um zu retten anstatt zu zerstören.“

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zu der Auszeichnung am Mittwoch in Berlin, er sei „sicher, die Bundeskanzlerin empfindet das als Ansporn für ihre politische Arbeit für eine gute Zukunft für Deutschland wie auch für Europa“. Das US-Magazin „Time“ kürt seit 1927 die „Persönlichkeit des Jahres“ – ganz gleich, ob diese die Welt im Guten oder im Schlechten beeinflusst hat. So rangiert in diesem Jahr der Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Baghdadi, gleich hinter Merkel auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen der umstrittene republikanische US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump, die Aktivisten der US-Kampagne Black Lives Matter sowie Irans Präsident Hassan Ruhani.

Trump reagierte beleidigt darauf, dass er es nicht auf die Titelseite des Magazins schaffte. „Ich habe Euch gesagt, dass mich das ‚Time‘-Magazin nie zur Persönlichkeit des Jahres ernennen würde, obwohl ich der große Favorit war“, schrieb der schillernde Milliardär auf dem Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter. Stattdessen habe die Redaktion jene Politikerin ausgewählt, „die Deutschland ruiniert“.

Merkel ist die dritte Bundeskanzlerin nach Willy Brandt (1970) und Konrad Adenauer (1953), die als „Persönlichkeit des Jahres“ auf der „Time“-Titelseite landete. Auch ein vierter Deutscher findet sich auf der Liste: Im Jahr 1938 verlieh das Magazin den Titel an Adolf Hitler.