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30/09/2016

Thailand: Finanzminister nimmt Rückgang der Auslandsinvestitionen gelassen

EU-Außenpolitik

Thailand: Finanzminister nimmt Rückgang der Auslandsinvestitionen gelassen

Der Tourismus hält die thailändische Wirtschaft am Laufen.

[PublicResourceOrg CC BY 2.0/Flickr]

Der thailändische Finanzminister gibt sich trotz der fallenden Auslandsinvestitionen zuversichtlich. Nun, da das Volk den Verfassungsentwurf des Militärs bestätigt habe, gebe es „Licht am Ende des Tunnels“. EurActiv Brüssel berichtet.

Als das Militär im Frühjahr 2014 die Macht in Thailand übernahm, versprachen die Generäle, dies sei das Ende der politischen Instabilität und der Wirtschaftsflaute. Während es der Junta gelang, politisch gewissermaßen für Ruhe zu sorgen – indem sie hart gegen Andersdenkende vorging und politische Kundgebungen verbat – hat sich die Wirtschaftslage des Landes als großer Schwachpunkt erwiesen.

Die EU legte ihre Verhandlungen über ein fast abgeschlossenes Freihandelsabkommen mit dem Königreich auf Eis und bemühte sich stattdessen um Vietnam und Singapur. Dem bedeutenden Fischereisektor Thailands droht ein EU-Importverbot wegen illegalen Fischfangs und der Missachtung von Arbeitnehmerrechten. Die Exporte gehen zurück, die Staatsverschuldung wächst und auch das schwindende Vertrauen der Konsumenten in die einstige Wirtschaftsmacht Südostasiens schadet dem Wachstum.

Vor allem die Auslandsinvestitionen sind seit dem Militärputsch drastisch gefallen. Noch ist kein Ende des Abwärtstrends in Sicht, wie die jüngsten Statistiken des thailändischen Investitionsamtes (BOI) nahelegen. 2016 ging in den ersten sechs Monaten die Zahl der genehmigten Investitionsanträge aus dem Ausland stark zurück, verglichen mit den Werten des Vorjahreszeitraums. Investitionen aus Japan, Thailands größtem Überseeanleger, sanken von 2,7 Milliarden auf 810 Millionen Dollar. Nordamerika investierte mit 67 Millionen Dollar zehnmal weniger als noch in der ersten Jahreshälfte 2015 (660 Millionen). Auch die Investitionen aus der EU legten einen Sturzflug hin. Sie fielen von einer Milliarde auf 260 Millionen Dollar. Weniger prägnant ist der Rückgang in Südostasien. China ist eines der wenigen Länder, das im selben Zeitraum seine genehmigten Investitionen von 159 Millionen auf nunmehr 723 Millionen Dollar erhöhte.

Verantwortlich für die Investitionseinbußen sind nicht nur politische Turbulenzen. Auch Thailands rasch alternde Gesellschaft und die zunehmende Konkurrenz aus Nachbarstaaten wie Vietnam oder Kambodscha mit niedrigem Einkommen, einer jungen Bevölkerung und zunehmend besseren Bildungsstandards fordern ihren Tribut.

Trotz des Verlusts an Auslandsinvestition zeigt sich der thailändische Finanzminister Somkid Jatusripitak Journalisten gegenüber gelassen. „Ich denke, wir sollten nicht zurück in die Vergangenheit blicken. Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, betonte er am gestrigen Donnerstag. Das Verfassungsreferendum habe politische Unsicherheiten beseitigt und den Weg für Wahlen Ende 2017 bereitet. „Das Investitionsklima hat sich verbessert – sowohl für die Einheimischen als auch für Anleger im Ausland.“

Bei einem Referendum Anfang dieses Monats erteilte das thailändische Volk dem neuen Verfassungsentwurf mit großer Mehrheit grünes Licht. Die Wahlbeteiligung lag gerade einmal bei 59 Prozent. Unabhängiger Wahlkampf war im Vorfeld der Abstimmung untersagt worden. Das Militär verspricht, die mittlerweile 20. Verfassung des Landes werde für Stabilität sorgen und politischer Korruption entgegenwirken. Kritiker befürchten jedoch, dass sie viel eher die Kontrolle des Militärs über zivile Politiker stärkt.

Das BOI will bis zum Ende dieses Jahres insgesamt 15,9 Milliarden Dollar an Auslandsinvestitionen mobilisieren. Die zwei vielversprechendsten Aspekte der thailändischen Wirtschaft bleiben der Tourismus und die großen, vom Regime geförderten Infrastrukturprojekte. Beide haben den Wachstumsmotor bisher am Laufen gehalten, sodass die Wirtschaft im zweiten Quartal 2016 die Erwartungen leicht übertraf und um 3,5 Prozent zulegte. Laut Weltbank wird Thailands durchschnittliches Wirtschaftwachstum dieses Jahr jedoch nur 2,5 Prozent betragen – ein niedriger Wert im südostasiatischen Vergleich.

Hintergrund

Seit der Entmachtung der Ex-Premierministerin Yingluck Shinawatra vor zwei Jahren steht Thailand im Rampenlicht. Aus Misstrauen gegenüber der Militärjunta legte die EU ihr geplantes Freihandelsabkommen mit Thailand für unbestimmte Zeit auf Eis. Darüber hinaus erteilte die EU dem thailändischen Fischereisektor eine "gelbe Karte". Gründe dafür sind Verletzungen des Arbeitsrechts und der Missbrauch von Fischbeständen. Die thailändische Regierung blieb jedoch nicht untätig. Sie verspricht weitreichende Reformen sowie Neuwahlen Mitte 2017.

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