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30/08/2016

Terror in Istanbul: Deutschland als Zielscheibe des IS?

EU-Außenpolitik

Terror in Istanbul: Deutschland als Zielscheibe des IS?

Momente des Schweigens: Da Bundeskabinett am Dienstagabend im Bundeskanzleramt in Berlin bei einer Sondersitzung anlässlich des Terrorakts in Istanbul. Foto: dpa

UPDATE: Richtete sich der Bombenanschlag in Istanbul gezielt gegen Deutsche? Bislang liegen der Bundesregierung dafür keine Hinweise vor: Nach Angaben von Innenminister Thomas de Maiziere suchte sich der Attentäter nicht gezielt deutsche Touristen als Opfer aus.

Nach dem Selbstmordanschlag mit acht deutschen Opfern im Zentrum Istanbuls ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Morgen zu einem Besuch in die türkische Metropole aufgebrochen. De Maizière besuchte am Mittwoch den Tatort, zudem traf er sich mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala.”Es liegen keine Anzeichen vor, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war”, sagte de Maizière. “Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen.” Allerdings müssten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachtet werden.

In manchen Ohren mag das überraschend klingen: Die Bundesrepublik trägt immer mehr Mitverantwortung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Mithilfe deutscher Ausbilder und Waffenlieferungen ist es den kurdischen Peschmerga im Nordirak im vergangenen Jahr gelungen, einige von den Terroristen besetze Gebiete zu befreien. Seit kurzem leistet die Bundeswehr überdies praktische Hilfe für die Luftangriffe unter Führung der USA gegen den IS. Seit wenigen Tagen starten deutsche Aufklärungs-Tornados vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus zu Aufklärungsflügen über dem IS-Gebiet in Syrien und dem Irak. 

Maas: Keine erhöhte Anschlagsgefahr in Deutschland

Zur Frage, ob sich die Sicherheitslage durch das Attentat verändert habe, erklärte Justizminister Heiko Maas am Mittwoch in der ARD: “Nicht wegen diesem Anschlag.” Deutschland stehe bekannterweise unter der Bedrohung von Terroristen.

“Und deshalb ist eine allgemeine Gefährdung sicherlich nicht zu leugnen”, sagte Maas. “Aber es gibt im Moment keine konkreten Hinweise auf Anschlagsziele.” Die allgemeine Gefährdungslage werde allerdings fortbestehen.

Linke fordern Ende der deutschen Beteiligung an Anti-Terroreinsatz

Die Linken-Politikerin Dagdelen sagte im Deutschlandfunk, durch den Bundeswehreinsatz sei die Terrorgefahr hierzulande weiter gestiegen. Die Luftangriffe der internationalen Allianz schwächten die IS-Miliz nicht. Zudem würden dabei auch unschuldige Menschen getroffen.

Grünen-Chef Özdemir sprach sich ausdrücklich für den militärischen Kampf aus. Dies dürfe aber nicht das einzige Mittel bleiben, sagte er ebenfalls im Deutschlandfunk. Man müsse auch gegen die Ideologie und die Wurzeln der Terrormiliz vorgehen. Diese lägen auch im Wahhabismus in Saudi-Arabien.

Der 1988 geborene Attentäter hatte sich am Dienstagvormittag mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee im historischen Zentrum Istanbuls in die Luft gesprengt. Dabei wurden mindestens acht Deutsche getötet und neun weitere zum Teil schwer verletzt. Insgesamt starben neben dem Angreifer zehn Menschen, 15 weitere erlitten Verletzungen. Zwei Leichen waren bis Dienstagabend noch nicht identifiziert. Unter den Todesopfer waren drei Rheinland-Pfälzer, ein Ehepaar aus Brandenburg und ein Berliner.

Merkel sagt Terroristen entschlossenen Kampf an

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Attentätern von Istanbul einen entschlossenen Kampf angesagt: Die Terroristen seien Feinde aller freien Menschen, sagte sie am Dienstagabend in Berlin. “Ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit.”

“Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen”, sagte Merkel.

Sie habe mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert, die sie über die laufenden Ermittlungen informiert hätten. In einer Sondersitzung des Kabinetts am Abend wollten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sie nun die Minister der großen Koalition informieren.

Merkel betonte, dass der Anschlag in Istanbul in einer Reihe stehe mit denen Terrorakten von Paris, Kopenhagen und Tunis. Auch die türkische Bevölkerung habe unter dem Terror zu leiden.