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29/09/2016

Südsudan: Zwischen Kämpfen, Elend und Waffenruhe

EU-Außenpolitik

Südsudan: Zwischen Kämpfen, Elend und Waffenruhe

Zahlreiche Menschen flüchten täglich aus dem Bürgerkriegsland Südsudan.

Foto: European Commission DG ECHO/Flickr

Südsudan steht am Rande eines Bürgerkriegs – Zehntausende sind vor Kämpfen geflohen. Die angespannte Lage hat sich tagelangen heftigen Kämpfen aber etwas beruhigt.

In der Hauptstadt Juba trauten sich viele Menschen wieder auf die Straße, nachdem sie in Schulen oder Kirchen Zuflucht gesucht hatten. Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision berichtete, die Geflüchteten entfernten sich aber nicht weit von den Gebäuden und wollten sich nur „die Beine vertreten“.

Seit Donnerstag hatten sich Truppen von Präsident Salva Kiir und Anhänger seines Rivalen Riek Machar mit Flugabwehrwaffen, Kampfhubschraubern und Panzern bekämpft. Am Montag schließlich riefen beide Seiten eine Waffenruhe aus. Die Politiker haben bestritten, für die jüngste Gewalt verantwortlich zu sein. Wegen der Kämpfe gibt es Befürchtungen, dass es erneut zu einem ethnisch motivierten Bürgerkrieg kommt, der im vergangenen Jahr mit einer Friedensvereinbarung beendet wurde.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beklagte, die hilfesuchenden Menschen könnten nur schwer versorgt werden. Sie müssten ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen ausharren. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte die Nachbarländer des Südsudans auf, ihre Grenzen für Hilfesuchende zu öffnen. Man bereite sich auf Flüchtlingsströme vor.

Das SOS-Kinderdorf in der Hauptstadt Juba evakuiert worden. „Durch die Angriffe und
Ausschreitungen waren die Kinder, SOS-Mütter und weitere Mitarbeiter in Lebensgefahr“, teilte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit am Mittwoch mit. In dem Kinderdorf sind rund 130 Kinder und Jugendliche untergebracht. Zunächst hatten noch Nachbarn Zuflucht vor dem Beschuss im SOS-Kinderdorf gesucht. „Als dann Luftangriffe begannen, mussten wir das Dorf evakuieren und wir brachten die verängstigten Kinder sowie die Nachbarn  in einer nahegelegenen Kirche in Sicherheit,“ beschreibt der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Ostafrika, Dereje Wordofa, die dramatische Lage.

Staatschef Kiir und Vizepräsident Machar gehören unterschiedlichen Volksgruppen an und bekämpfen sich schon lange politisch und militärisch. Machar erklärte am Dienstag über seinen Sprecher, er setze sich dafür ein, dass das Friedensabkommen umgesetzt werde. Zudem sei er zu Gesprächen bereit. Über ein Treffen der Rivalen wurde aber zunächst nichts bekannt.

Wegen der jüngsten Gewalt gibt es Befürchtungen, dass Kiir und Machar die Kontrolle über ihre Kämpfer verloren haben und andere Politiker beteiligt sein könnten. Der UN-Sicherheitsrat hat die Rivalen aufgefordert, ihre Truppen zu stoppen. Der verarmte Südsudan löste sich erst vor fünf Jahren vom Sudan los.

Deutsche Staatsbürger sollen aus dem Land ausgeflogen werden. Dies habe ein Krisenstab der Bundesregierung entschieden, hieß es in einer Mitteilung der deutschen Botschaft im Südsudan.