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27/09/2016

Spanier und Italiener Hauptverdächtige in thailändischem Mordfall

EU-Außenpolitik

Spanier und Italiener Hauptverdächtige in thailändischem Mordfall

Die thailändische Polizei präsentiert auf einer Pressekonferenz in Bangkok Bilder der zwei Hauptverdächtigen eines Mordes, einem Italiener und einem Spanier.

[EFE]

In den Untersuchungen zum Mord an einem spanischen Geschäftsmann, dessen Körper vergangene Woche tot in Bangkok aufgefunden wurde, gibt es Fortschritte. Ein Spanier und ein Italiener gelten als Hauptverdächtige, heißt es aus thailändischen Ermittlerkreisen. EurActiv-Kooperationspartner EFE berichtet.

Thailändische Polizeibehörden werfen einem Spanier und einem Italiener vor, den spanischen Geschäftsmann David Bernat entführt und erpresst zu haben, um an seine Kontodaten zu gelangen. Berichten zufolge kannten sich die Verdächtigen und das Opfer. Der Tote wurde am Wochenende in einem Fluss, der thailändischen Hauptstadt Bangkok mit abgetrennten Gliedmaßen aufgefunden. Als Todesursache gilt Erstickung. Darüber hinaus bestätigten die Gerichtsmediziner und Untersuchungsrichter, Spuren möglicher Folter entdeckt zu haben.

Am 20. Januar hatte man den etwa 40-jährigen Katalanen zuletzt gesehen, als er in westlicher Begleitung sein Apartment in Bangkok verlassen hatte. „Noch Tage nach seinem Verschwinden hat das Opfer auf Textnachrichten reagiert, dabei jedoch Worte in katalanischer Sprache benutzt, die er sonst normalerweise nie verwendete“, erfuhr EFE aus informierten Kreisen.

Die Polizei stellte nach eigenen Angaben fest, dass hohe Geldbeträge vom singapurischen Konto des Opfers an spanische und thailändische Banken geflossen seien. Die letzte registrierte Transaktion auf dem Konto des einen Hauptverdächtigen stammt vom 30. Januar aus der Stadt Ayuthaya, nördlich von Bangkok.

EFE erhielt Zugang zu Informationen, denen zufolge das Visum des einen Verdächtigen schon seit einigen Monaten abgelaufen sei. Einwanderungsbehörden gaben jedoch an, dass er sich noch immer in Thailand aufhalten könnte.

Begehen EU-Bürger im EU-Ausland Straftaten und halten sich anschließend wieder in ihrem Herkunftsland auf, stellt sich die Frage nach der Auslieferung. Als Rechtsgrundlage dienen hierfür meist die jeweiligen Auslieferungsabkommen zwischen dem betroffenen EU-Mitgliedsstaat und dem Land, in dem die Person strafrechtlich gesucht wird. In diesen bilateralen oder manchmal auch multilateralen Verträgen legen die Parteien fest, für welche Straftaten und unter welchen Bedingungen man mutmaßliche Täter zur Strafverfolgung ins Ausland überstellt.

Thailand verfügt über Auslieferungsabkommen mit den USA, Kanada, China, den Philippinen, Indonesien, Laos, Kambodscha, Malaysia, Südkorea, Fiji, Australien, Belgien und Großbritannien – also lediglich zwei EU-Staaten. Da im vorliegenden Fall folglich kein Auslieferungsabkommen zwischen Thailand und Italien beziehungsweise Spanien vorliegt, beruhen die Ermittlungen auf dem Grundsatz der Gegenseitigkeit.

Die thailändische Polizei arbeite, so EFE, eng mit den spanischen Behörden zusammen, um die Verdächtigen zu fassen. Inzwischen geht man davon aus, dass auch mehrere thailändische Staatsbürger von dem Verbrechen gewusst haben. Nach Polizeiangaben könnte es in den nächsten 48 Stunden vermehrt zu Verhaftungen kommen.