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05/12/2016

Slowenien: Grenzzaun gegen Flüchtlinge verärgert Touristen

EU-Außenpolitik

Slowenien: Grenzzaun gegen Flüchtlinge verärgert Touristen

Die Grenzbarriere zwischen Slowenien und Kroatien wird zum Ärgernis für Touristen.

[amy leonard/Flickr]

Im Südosten Sloweniens an der Grenze zu Kroatien erinnern martialische Stacheldrahtrollen an einen Flüchtlingsandrang, der nie kam. Der Zaun erweist sich nun als Touristenschreck.

Der Stacheldraht im Südosten Sloweniens, wo der malerische Fluss Kolpa die Grenze zu Kroatien bildet, zieht sich über viele Kilometer durch die Grenzregion mit ihren rauschenden Wäldern und üppigen Feldern, die in den Sommermonaten üblicherweise Kanu- und Kajak-Touristen anlockt. Der Stacheldraht, im vergangenen Jahr auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise errichtet, erweist sich nun als Touristenschreck und Falle für wilde Tiere.

„Der Flüchtlingstreck war mehr als hundert Kilometer entfernt. Wir haben keinen einzigen Flüchtling gesehen“, sagt Martin Lindic, der Betreiber eines Kanu-Camps am Ufer der Kolpa. Sein Umsatz sei durch die Errichtung des
Stacheldrahtes eingebrochen, sagt er. „Die Leute rufen an um zu buchen, und als erstes fragen sie nach dem Zaun.“

Als die slowenischen Soldaten im Dezember anrückten, um mit dem Zaun die Außengrenze des Schengenraums abzuriegeln, waren noch hunderttausende Flüchtlinge auf der Balkanroute unterwegs. Mit Hilfe des Zauns wollte die
slowenische Regierung erreichen, dass eventuell eintreffende Flüchtlinge zu festgelegten Kontrollpunkten gelenkt würden und nicht über die grüne Grenze ins Land kommen. In der Praxis erwies sich die 166 Kilometer lange Barriere
nach Ansicht von vielen Einwohnern des Grenzdorfs Kostel als überflüssig.

Die Regierung in Lujbljana erklärte kürzlich, der mögliche Abbau des Grenzzauns hänge „von den Entwicklungen in der Flüchtlingskrise ab“. Mit Blick auf die Touristenregionen wurde zudem angekündigt, der Stacheldraht solle
durch einen Maschendraht ersetzt werden. Doch die Arbeiten gehen offenbar langsam voran. Manche Orte, wie das bekannte Fisch-Restaurant „Madronic“ sind sogar vollständig von dem Zaun eingeschlossen. An anderen Stellen, wie Lindics Kanu-Camp, gibt es keinen Zugang zur Kolpa mehr.

„Der Zaun überrascht uns“, bemerkt der Tourist Emil, der schon seit Jahren mit seiner Familie hierher kommt. „Er ist völlig überflüssig.“ Der 85-jährige Arzt Stanko Nikolic, der selbst vor 50 Jahren in die Region kam und hier
sesshaft wurde, lehnt den Zaun mit noch größerer Vehemenz ab. „Das geht nicht, in dieser Region hat es noch nie solche Hindernisse zwischen Slowenen und Kroaten gegeben“, sagt Nikolic. „Als Arzt konnte ich immer von einer Seite auf die andere gelangen.“

Für Tiere wird der Grenzzaun derweil zur – bisweilen tödlichen – Falle. Die slowenische Jägervereinigung hat bereits mindestens zehn verendete Rehe gezählt. Der Zaun sei ein „großes Hindernis, weil die Tiere nicht mehr die
Wege nehmen können, die sie seit Jahrtausenden genutzt haben“, moniert Cvetko Skok von der örtlichen Jägervereinigung in Banja Loka. Es komme auch vor, dass sich Tiere in den Schlaufen des Zauns verfingen, dann freikämpften und später ihren Verletzungen erlägen.

Luka Oman von der Tierschutzorganisation Animals‘ Friends auf der kroatischen Seite der Grenze erklärt den Zaun für „absurd“. Er würde ohnehin keinen Flüchtling von der Grenzüberquerung abhalten. „Der Zaun ist nur ein
Problem für Tiere“, befindet Oman. „Für Menschen ist er kein Hindernis.“